230 Fiiiiikieiäi, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.)
die Rede ist, mag ein Beispiel genügen. Der eben genannte geist-liche Redner ereiferte sich eines Tages auch darüber daß Victor Hugound Alphonse de Lamartine in die französische Academie aufgenommenworden seien. Zürnend rief er von der Kanzel herab: „o'ost L Nonlongn'ils auruiout «In ötre rsou» — na bu^us!" — das heißt aus denGaleeren.
In Beziehung auf alles Thatsächliche, mag es die gegenwärtigenZustände namentlich protestantischer Länder, mag es Geschichtlichesbetreffen, werden die handgreiflichsten Unwahrheiten mit beispielloserDreistigkeit vorgetragen. So entwarf einst derselbe Pater Combalotein haarsträubendes Bild von der Verderbtheit des alten Roms, undzeigte dann, wie es durch die strafende Hand Gottes vernichtet wor-den sei, stellte die Sache aber sehr geflissentlich so dar, als sei es dasheidnische Rom gewesen, das solcher Verderbnis; verfallen war undauf Gottes Geheiß von den Barbaren zerstört ward. Wahrscheinlichum der National-Eitelkeit zu schmeicheln ließ er Rom durch dieGallier zerstört werden, die als Werkzeug Gottes auftraten; nurnebenher wurde auch anderer Völker, der Gothen, Wandalen, Wel-schen (ies Velebos) u. dergl. M- gedacht. Nun erhebt sich, unter derAutorität der Päpste, das christliche Rom auf den Trümmern desheidnischen; es beginnt die Blüthezeit der Menschheit, während welcher,fünfzehnhundert Jahre lang, das Papstthum die christliche Welt mitimmer gleicher, nie angefochtener, nie in Zweifel gezogener Macht-vollkommenheit beherrscht — und natürlich selbst in nie getrübterReinheit und Heiligkeit dasteht. Der Pater ließ diese Jahrhunderteals eine Zeit tiefen Friedens erscheinen, und nannte sie die Zeitender höchsten Cultur, während welcher auch die Literatur ihre höchstenZiele erreichte, da eben im Lauf dieser Jahrhunderte die größtenGenien der Menschheit (los iUns boaux Aönios) — der heiligeAugustin, der heilige Thomas von Aquin und andere — ihre Flügelentfalteten. Aber nach fünfzehnhundert Jahren bricht neues Ver-derben herein —: die Reformation, dies „Werk des Satans", ausdemselben Zöllen-Schlamm hervorgegangen wie die Verderbnis; desheidnischen Roms (sortis cko In meine tüng'o, üs In morns baue).Sie bringt von Neuem die Menschheit dem Untergang nahe, demdiese sich kaum entziehen kaun — wenn sie nicht fleißig zur Beichtegeht! — Denn die Nothwendigkeit der Beichte ist die praktische