Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.)
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II.
Am Neujahrstage, bei Gelegenheit des feierlichen Empfanges,den eben der Tag mit sich brachte, sprach der energische Mann, derjetzt an der Spitze dieses seltsamen, blos durch die allgemeine Rath-lostgkeit zusammengehaltenen Staatswesens steht, zu dem österreichischenBotschafter bedenkliche Worte: — es war ein Neujahrsgruß, der aufZwietracht und Krieg deutete.
Ganz Europa war überrascht, bis zu einem gewissen Grade er-schrocken - bei Weitem mehr aber verwundert. Kaum aber, daßman sich einigermaaßen gefaßt und orientirt hatte, so wurde im All-gemeinen die Ansicht vorherrschend, daß die beschwichtigenden Be-mühungen der Diplomatie Erfolg haben würden. Denn allgemeinwurde vorausgesetzt, daß es Niemandem rechter Ernst sein könne mitdiesem drohenden Gebühren und den gegenseitigen Herausforderungen,die nun von beiden Seiten erfolgten. Ein Krieg schien so Großesauf das Spiel setzen, so vielfache Interessen verletzen, so unberechen-bare Gefahren heraufbeschwören zu müssen, daß Niemand ein Ver-langen tragen könnte, es daraus zu wagen.
Den Unbefangenen freilich, der die Sachen, wenn auch nur ineinzelnen Beziehungen, in der Nähe sah, konnte vom allererstenAugenblicke an nicht entfernt ein Zweifel darüber bleiben, daß esErnst sei mit dem Kriege, daß er unvermeidlich und nahe bevor-stehe. Schon die Art und Weise, wie die Rüstungen in Frankreicheingeleitet und betrieben wurden, lieferte dafür den vollgültigstenBeweis.
Alles, was in die Augen fällt, Aufsehen macht und schon alsDemonstration eine gewisse Wirkung hat, — geräuschvolles Zusammen-ziehen von bedeutenden Heeresmassen und ihre geordnete Gliederungfür den Krieg, Einberufung der Beurlaubten und dergl. —: dasAlles wurde geflissentlich vermieden. Auf eine bloße Unterstützungdiplomatischer Schritte durch geräuschvolle Demonstrationen, durch einmilitärisches Schaugepränge, war es also nicht abgesehen.
Dagegen wurden in den Zeughäusern, ganz in der Stille undohne daß man weiter davon gesprochen hätte, ungeheuere MassenMunition angefertigt; und Lebensmittel, Zwieback, Salzfleisch undtrockene Gemüse wurden in den Seehäfen des Südens in gewaltigen