Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1850.) 2Z5
gegen aussprachen, oder der Handelstand, wie man vermuthen könnte,weil dem allerdings die unmittelbarsten Verluste drohten —: viel-mehr war es gerade die ländliche Bevölkerung, die ihre Stimme amlautesten und am entschiedensten gegen die Aussichten aus neuenKriegsrnhm erhob, wiewohl doch sonst gerade in diesen Kreisen derNapoleons-Cultus noch am Ersten eine gewisse Realität gewinnenkönnte.
Ein gar nicht zu verwerfender Jnstinct sagte den Leuten, daßNapoleon III. mit diesem Krieg in die Bahnen des ersten Kaiser-reichs einlenke; daß dieser Krieg der Anfang einer längeren Kettewenig unterbrochener Kämpfe sein werde, wie sie damals auf ein-ander folgten. Die blutigen Opfer aber, welche die unaufhörlichenHeereszüge zur Zeit des ersten Kaiserreichs forderten, sind unvergessen;ja, die Erinnerung daran ist gerade in der ländlichen Bevölkerungvorzugsweise lebendig, da in Frankreich die Städter meist nicht tauglichsind zu Soldaten oder sich freikaufen, der Kriegsdienst also und dieVerluste fast ausschließlich auf die Landleute fallen. Solche Erinnerun-gen sind natürlich nichts weniger als beliebt, und Alles bebt zurück vor-dem Gedanken, Aehuliches noch einmal zu erleben, noch einmal sogewaltige, so schmerzliche Lücken in die Familien gerissen zu sehen.Vor Allen aber wollten die Frauen der Landleute mit der leiden-schaftlichsten Abneigung von diesem Krieg nicht wissen und nichthören. „Eoinwkut! norm anrorm un seoonck Napoleon i>oar Inxuerre!« riefen wie mit Einem Munde die Frauen in allen DörfernFrankreichs aus, um so mehr empört, weil sie dabei vorzugsweise andas dachten, was ihnen zumeist am Herzen liegt. Ihre Tochter unterdie Haube bringen, „marisr sa kille" ist für jede Französin, weß'Standes sie auch sei, die eigentliche Lebensaufgabe, und wie sollderen Lösung gelingen, wenn die möglichen eponssurs fortwährendzu Tausenden an Einem Tage weggeschossen werden? „cks ns nmrisraiPas um tills!" ist der Gedanke, der sofort erwacht, so wie von weitaussehenden Kriegen die Rede ist.
Bedächtige Gutsbesitzer berechneten dann auch, daß dem Ackerbauin Frankreich ohnehin die Hände fehlen; was sollte daraus werden,wenn verlängerte Kriege ihm deren noch mehr entführten? — Ver-ständige Leute aus dem Mittelstände hörte man dann auch wohlprophezeien, daß auch diese Kriege, selbst wenn Frankreich noch so