254 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.)
daß diese Reiterei nicht in mancher Beziehung gute Dienste leisten,daß sie nicht, besonders im Anfange eines Feldzugs, so lange diePferde noch nicht ganz zu Grunde gerichtet sind, gelegentlich selbstglänzende Angriffe machen könnte: die Leute sind tapfer; selbst derFechtunterricht, den sie erhalten, trägt dazu bei, ihr Selbstvertrauenzu steigern; sie glauben sich jedem Gegner gewachsen; und eben, weilsie nur sehr unbestimmte Begriffe von dem haben, was ein Pferdvermag, was nicht, oder welche Gefahr man läuft, wenn man ihmmehr zumuthet, als es leisten kann, sind sie stets bereit, verwegendarauf los zu jagen. Wir sind sogar überzeugt, daß die französischeReiterei sich, trotz aller Mängel, bei längerer Fortsetzung des Kriegesin der Krim, der russischen auf dem Schlachtfelde ganz entschiedenüberlegen gezeigt hätte. Denn die russische Cavallerie war unzweck-mäßig beritten, saß auf großen, durch verkehrte Dressur ruinirtenPferden, und hatte sich unter dem Kaiser Nicolaus gewöhnt, mitängstlich, mit übermäßig verkürztem Zügel zu reiten, wodurch alleGangarten langsam, alle Angriffe ohnmächtig wurden.
Die möglichen Leistungen der französischen Reiterei sind dem-nach nicht ohne Weiteres ganz im Allgemeinen gering anzuschlagen —aber es ist auch nicht unter allen Bedingungen darauf zu rechnen.Die Mängel dieser Cavallerie werden sich wohl hauptsächlich dadurchfühlbar machen, daß sie im Felde, in Folge einer Art zu reiten,welche schon an sich die Pferde zu Grunde richtet und mehr nochdurch die mangelhafte Pflege und Wartung der Thiere, durch dieSorglosigkeit, mit der man sie vom Sattel gedrückt und wund werdenläßt, sehr große Verluste erleiden und sehr schnell zusammenschwindenwird. Zum Theil scheinen sich das auch die leitenden Behörden inFrankreich zu sagen, und Maaßregeln danach zu nehmen. DieReiterei ist überhaupt zahlreich im Verhältniß zur ganzen Armee —und dann sind auch die Regimenter und Schwadronen auf solcheZahl der Mannschaft angelegt, daß selbst bedeutende Verluste nichtso bald die Auflösung der Schaaren herbeiführen können.
Am meisten entspricht dem Zweck ohnstreitig die schwere Reiterei(Onvalerio äs Ilessi'vc;, 10 Cürassier-, 2 Carabinier-Regimenter), wiesie denn auch am gleichförmigsten beritten ist. — Von der leichtenReiterei (12 reitende Jäger-, 8 Hnsaren-Regimenter) kann man auchnicht sagen, daß sie schlecht beritten wäre; im Gegentheil, sie hat