256 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.)
geprüft worden, und wir haben dem Ergebniß der Prüfung keineErfahrungen gegenüber zu stellen. Es ist aber, abgefehen davon,daß sich die Sache auf dem Schlachtfelde zuweilen etwas andersstellt, als aus dem Schießplatz, auch noch Anderes zu bedeuten, zumal,ob sie auch deu nöthigen Grad von Dauerhaftigkeit haben. NachAllem, was wir davon wissen, ist uns das sehr zweifelhaft. DasGejammer der französischen Zeitungen aber über die eine, bei Magentaverlorene Kanone und das dadurch verrathene Geheimniß war —beiläufig — ein sehr müßiges; denn was wäre in Frankreich fürGeld nicht zu haben? Wir zweifeln nicht, daß so ziemlich alle Kriegs-ministerien in Europa schon vor dem Ausbruch des Krieges im Besitzsehr genauer Zeichnungen dieser neuen Geschütze waren, und nament-lich die österreichischen Militärbehörden waren in diesem Fall.
Man erwäge: die Geschützrohre haben drei Züge, werden, gleichden gewöhnlichen, von vorn geladen, und sind von gewöhnlichem,weichem Kanonenmetall; die konisch zugespitzten Geschosse haben dreiSaillants, die in die drei Züge des Rohrs passen: aber sie mit dergehörigen Genauigkeit iu die Züge einzufügen, dazu gehört doch eineRuhe und Besonnenheit, wie sie auf dem Schlachtfelde nicht immerzu Gebote steht. Nun wird das Rohr bei raschem Feuern rasch er-hitzt, das Metall erweicht; rasches Laden, bei dem es etwas wildzugeht, kann dann sehr leich't den Bau der Züge merklich stören, undes ist nichts weniger als undenkbar, daß die inneren Wände einesGeschützrohrs nach einem anhaltenden lebhaften Feuer von denSaillants der Geschosse etwas unregelmäßig durchpflügt sein könnten.Es wäre sehr belehrend, genau zu wissen, in welchem Zustande sichdas Material der französischen Artillerie nach der Schlacht bei Sol-feriuo befand; unsere Vermuthung ist, daß sie viele unbrauchbar ge-wordene Stücke zählte. Ja, es würde uns wenigstens nicht befremden,wenn das auch ein kleines Itsm gewesen wäre auf der Liste derGründe, die zu dem Frieden von Villafranca geführt haben ft.
Was die Zahlen betrifft, aus welche diese jedenfalls furchtbareKriegsmacht sich bringen läßt, so erinnert sich wohl ein Jeder derBerechnungen, die zu Tage kamen, als die französischen und öster-reichischen Tagblätter sich darin zu überbieten suchten; doch ist dieSache selbst damit noch nicht gethan; es gehören immer noch großeAnstrengungen dazu, das Mögliche zu verwirklichen, ja die Wirklich-