Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) 26Z
in Böhmen die Herrschaft der römischen Kirche und eine unum-schränkte Herrschermacht zu gründen, wurde die alte Aristokratie desLandes, mit Ausnahme weniger Anhänger des hohen ErzhausesOesterreich auf dem „blutigen Landtag" zu Prag vernichtet. Manbegnügte sich nicht damit, die adeligen Herren hinrichten zu lassen:auch ihre Güter wurden eingezogen und an die „kaiserlichen Feld-obristen", — Reißlauser aus allen Ländern Europa's verschenkt. Soblieb nicht nur das Volk in Böhmen ohne Führer, sondern man hatteda auch noch eine neugebildete Aristokratie, die dem Lande und Volkefremd, ihre Stütze nur in der Dynastie suchen konnte. Dieser neueAdel Böhmens besteht überwiegend aus einem seltsamen Gemisch vonSpaniern, Italienern, Wallonen und einer ganz besonders großenAnzahl von Zrländern.
Ferdinand's Nachfolger, die letzten Habsburger, wirkten forti in seinem Geist. Die Geschichte zeigt sie uns als düstere, unheim-^ liche Gestalten, umgeben und bewacht von Priestern, abgeschlossen inden wunderlich pomphaften Formen byzantinisch-burgundischer Eti-quette und schon durch diese fern gehalten von aller Wahrheit undWirklichkeit des Lebens, gebannt in einen engen Kreis conventionellerIdeen; unfähig und beschränkt, beseelt von einem unermeßlichen Stolzund einem kirchlichen Fanatismus, der nicht weniger in einem des-potischen Justinct als in wirklicher Ueberzeugung wurzelte; unerbittlichin Allem, was dem herrschenden System widerstrebte. Und erreicht,wie gesagt, war der Zweck; die Gegenreformation war gelungen: aberdas geistige Leben der Völker Oesterreichs war auf Jahrhundertehinaus gebrochen! Wie gering ist seither der Antheil Oesterreichs andem Gesammtleben der Nation gewesen, wie unbedeutend ist sein An-theil an den Ergebnissen der intellektuellen Thätigkeit des deutschenVolks geblieben! Alles, was Oesterreich zu den Schätzen deutscherKunst und Wissenschaft beigetragen hat, könnte fehlen, und manwürde nirgends eine Lücke gewahren. Die weitere Folge aber diesergewaltsamen Stauung des Lebens war, daß Oesterreich nie eineMacht zu entfalten vermochte, die den durch die Natur und diefrühere Geschichte gegebenen Elementen der Macht entsprochen hätte;denn die materiellen Elemente wie des National-Reichthums so derMacht überhaupt, sind an sich todt; erst die Intelligenz und Energie