Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) 265
frischeres Leben anf die Throne Oesterreichs gelangt schien. Es wardiesmal Joseph II., der Hand an die ungarische Verfassung legtewie an die ständischen Rechte seiner belgischen Unterthanen, aber nicht,wie früher geschehen war, im engsten Einverständniß mit der römischenKirche, und unter der Leitung der Jesuiten, sondern im offenenWiderspruch mit diesen Mächten; nicht um ein Staatswesen vonbyzantinischem Charakter fester zu begründen und eine vergehendeZeit festzuhalten, sondern um die Völker, die seinem Scepter unter-worfen waren, in das Leben einer werdenden Zeit einzuführen, —gewaltsam freilich und in revolutionärer Weise. Mochte dabei auchmanches Mißverständniß obwalten, mochte Joseph II. sich selbst vondem Wesen und Streben dieser neuen Zeit nur einen einseitigenBegriff gebildet haben: immerhin war ihm nicht wie seinen Habs-burgischen Vorgängern die Gründung einer nirgends beschränktendespotischen Gewalt an sich höchstes und letztes Ziel, sondern dieseGewalt sollte in seinen Händen anderen, weiter gehenden Zweckendienen. So empörte sich denn auch gegen ihn nicht etwa Alles,was wahrer geistiger und politischer Freiheit zustrebte, sondern um-gekehrt, was in Kirche und Staat den Ordnungen der Vergangenheitanhing, und sein Versuch scheiterte an dem Widerstände der Kircheund der Fendalstände, wie an dem Unverstand der Massen, die fürsolche Neuerungen nicht reif genug waren.
Nach Joseph's Tode suchte sein Nachfolger überall zu beruhigenund zu begütigen; auch die Ungarn erhielten ihre Verfassung wieder,und behielten sie noch länger als ein halbes Jahrhundert, so wenigsie auch den Wünschen und Ansichten der Regenten entsprach.
Der Schrecken und die Besorgnisse, welche die französische Re-volution verbreitete, hatten auch die Lothringischen Prinzen auf demösterreichischen Thron vollends bestimmt, die Wege Joseph's II. zuverlassen und in die Bahnen der Habsburger einzulenken, um, so-weit ihre Macht reichte, eine Weltordnung ausrecht zu erhalten oderherzustellen, die der Vergangenheit angehörte. Nur mußte, nament-lich was die Mittel der Ausführung anbetrifft, unter den verändertenUmständen, da Manches, was Joseph II. verfügt hatte, nicht unge-schehen zu machen, das Heer von Ordensgeistlichen nicht gleich wiederzu schaffen, das eingezogene reiche Klostergut im Drang der Zeitennicht zu entbehren war, das Ganze einen weniger kirchlichen, einen