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Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien, (1859,)
Schule, aber keineswegs der Bevormundung entwachsen waren; strengsuchte sich Oesterreich durch die Censur, durch die vervielfachte Thätigkeitder öffentlichen Polizei und noch mehr durch die der geheimen gegenrevolutionäre Einflüsse und deutsche Bildung abzusperren. DasReisen österreichischer Unterthanen in die Fremde wurde erschwert.Wie selten begegnete man einem Oesterreicher auf Reisen! Wer einVerlangen bezeigte, sich „draußen" umzusehen, war schon dadurchverdächtig, und selbst als durchaus zuverlässig und gesinnungstüchtigbekannte Leute bekamen nicht immer ohne Weiteres einen Paß. Waswollten sie denn in der Fremde? wurde unmuthig gefragt; — mansah dergleichen nun einmal nicht gern!
Dem Unbefangenen aber konnte es nicht entgehen, daß diesesSystem eben durch die Folgerichtigkeit, mit der es durchgeführt wurde,sich selbst aus die Länge unmöglich machen mußte; denn es bedurfte,wie Alles, was möglich und lebensfähig sein soll, tüchtiger, brauch-barer Organe: auf diesem Wege aber wurden die Menschen in Massezur Unfähigkeit und Charakterlosigkeit herangebildet. Mehr aber alsdas. Die ängstliche Sperre, die gegen Deutschland und den ganzenWesten aufrecht erhalten wurde, verfehlte auch ihren Zweck; ja sieführte Folgen herbei, die zu den beabsichtigten einen entschiedenenGegensatz bildeten. Gegen den Einfluß ächter und gesunder deutscherBildung im Allgemeinen, die Ergebnisse redlicher Forschung undernsten Denkens auf dem Gebiet der politisch-moralischen Wissen-schaften insbesondere, vermochte sich Oesterreich durch solche Mittelwohl abzuschließen, nicht aber gegen die Wirkungen jener frechenund flachen Abenteurer-Literatur, die während der letzten Jahrzehnte,durch mancherlei beklagenswerthe Verhältnisse begünstigt, nebenherwucherte. Die Producte dieser Literatur fanden ihren Weg nachOesterreich trotz aller Sperre und Censur, sie fanden hier sogarihren eigentlichen Markt und wurden gierig verschlungen wie nirgendsonstwo. Das schriststellernde junge Deutschland lebte im Wesent-lichen von dem Absatz, den seine Werke in Oesterreich fanden. Dieseverbotene Literatur übte dann auch ihren Einfluß in einem Umfang,wie er anderswo kaum möglich war. Denn ein großer Theil dergebildeteren Stände fühlte sich denn doch gedrückt in den herrschendenZuständen, in denen Zwang und kleinlich ängstliche Ueberwachungauf jedem Schritt selbst dem blödesten Auge sichtbar wurden. Das