Franüeich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) 283
Ueber das Concordat, das der Kirche eine richterliche Gewalt(in Ehesachen) verleiht, und Schule, Erziehung und Familien-Lebenunter die strengste kirchliche Polizei stellt, ist ganz ohne alle und jedeBetheiligung des Ministeriums mit Nom verhandelt worden. Alsmerkwürdig müssen wir dabei noch bemerken, daß dieser gewichtigeVertrag zwischen Staat und Kirche schon zwei Jahre vor der Zeit,zu welcher er Gesetzeskraft erhielt und bekannt gemacht wurde, voll-kommen fertig war. Schon im Jahre 1853 besaß ein hochgestellterdeutscher Staatsmann eine Abschrift des Coneordats und machte demMinister Bach Vorstellungen über das Unheil, das daraus entstehenmüsse. „Sorgen Sie nicht!" antwortete damals Herr von Bach;so lange ich Minister bin, wird dieses Concordat weder unterzeichnetnoch pnblicirt!" Und wirklich, scheint es, wußte der Widerstand desMinisters das Concordat noch zwei Jahre lang abzuwehren. Aufwelche Weise, durch was für Gründe dieser Staatsmann zuletzt dochumgestimmt und für die Maaßregel gewonnen wurde, — könnennatürlich nur die wenigen unmittelbar betheiligtcn Personen wissen.
Als erst alle widersprechenden Stimmen in der Nähe des Thronsschwiegen, konnte natürlich die leitende Autorität, um welche sich dieGrafen-Coterie schaarte, leicht an maaßgebender Stelle in eindring-lichen und überzeugenden Worten geltend machen, daß man sich der! Kirche anvertrauen müsse, um der Revolution Herr zu bleiben; daßdieser Weg der einzig richtige sei. Auf diese Darstellung,, aus Treuund Glauben hin, wurde das Concordat unterschrieben, ohne daßman es auch nur gelesen und sich von seinem Inhalt Rechenschaftgegeben hätte. Der ultramontane Clerus stand am Ziel seinerWünsche.
Das auf solche Art begründete neue Kirchenrecht ist merkwürdigerWeise das einzige Definitive geblieben, das in Oesterreich im Laufi von zehn Jahren überhaupt zu Stande gekommen ist.
> Von den Finanzen sprechen wir nicht; der Jammer ist bekannt
! genug. Er bedarf um so weniger einer Erläuterung, da wir ja auch
! außerhalb Oesterreichs Familien genug um uns her sehen, deren
- Wohlstand theils zerrüttet, theils wenigstens ernstlich bedroht ist, weilsie thöricht genug gewesen sind, einen Theil ihres Vermögens denhoffnungslosen österreichischen Finanzen anzuvertrauen.
Die Zerrüttung war so gründlich, daß selbst ein so ausgezeich-