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Frankreich, Oesterreich und der Krieg i» Italien. <1859.)
Schon lange vor dem unfreundlichen Neujahrsgruß, der Europain Bewegung brachte, hatte Napoleon III. gesucht sich der Neu-tralität Preußens zu versichern, Rußland aber zu einem Bündnißgegen Oesterreich zu bestimmen.
Beides mußte möglich scheinen. Die Feindseligkeit gegen Preußen,die der Wiener Hos seit vielen Jahren und bis auf die neueste Zeitherab, mehr oder weniger nach des Fürsten Felix Schwarzenbergbekanntem Grundsatz, überall und namentlich in allen deutschenBundesverhältnissen, wie in Beziehung auf Preußens Händel mitder Schweiz beurkundet hatte, berechtigten in gewissem Sinn wohlzu der Vermuthung, daß man in Berlin geneigt sein könnte, dembevorstehenden Zwist fremd zu bleiben. Der Preis der für PreußensNeutralität geboten wurde, war ein sehr hoher; er war namentlichdaraus berechnet, wichtige Interessen des gesammten Deutschlands zubefriedigen. Er wurde aber zurückgewiesen, wie es die Würde despreußischen Staats gebot, und die Pflicht, noch wichtigere InteressenDeutschlands im Nothfall wahren zu können.
Was das Bündniß mit Rußland betrifft, so schien die Er-bitterung, die dort seit dem orientalischen Krieg gegen Oesterreichherrschte, die Unterhandlungen erleichtern zu müssen. Dennoch wirdvon beiden Seiten so gesprochen, als sei nie der Versuch zu solchenUnterhandlungen gemacht worden, und beide Höfe haben das Daseindes allgemein vermutheten Verhältnisses in fast officieller Form ge-längnet. Nicht eigentlich mit Unrecht, — denn die Diplomatie weißsich in solchen Fällen so einzurichten, daß man die Wahrheit läugnenkann, ohne doch geradezu eine Unwahrheit zu sagen. Ein eigent-liches Bündniß war allerdings nicht geschlossen worden; man hattesich daraus beschränkt, zu Stuttgart schriftliche Erklärungen auszu-tauschen, die von beiden Theilen als bindend angesehen wurden.Frankreich hatte sich darin verpflichtet, den Petersburger Hof in denDonau-Fürstenthümern schalten zu lassen, seine Pläne dort, die ein-geleitete Wahl eines gemeinschaftlichen Hospodars der Moldau uudWallachei zu unterstützeu u. s. w-, wogegen Rußland die Verpflichtungübernahm, Oesterreich in dem bevorstehenden Kamps so viel alsmöglich isolirt zu erhalten, indem es durch Ermahnungen, dieDrohung daß man Rußlands Freundschaft darüber verlieren könneund Demonstrationen jeden möglichen Bundesgenossen der süddeut-