Frankreich, Oesterreich und -er Krieg in Italien. (1859). 200
der österreichischen Regierung, in der Grasencoterie und ihrem Ober-haupt. Diese Partei wollte stets aus ihren ersten Plan zurückkommen,Preußen, ohne daß man es fragte oder auf seine Zustimmung wartete,' einfach durch einen Frankfurter Majoritätsbeschluß in den Krieg zuverwickeln. Sie wollte das, weil sie Zeit und Verhältnisse günstigwähnte, Deutschland — Preußen nicht ausgenommen — zu einemComplex von Oesterreich abhängiger Vasallenstaaten zu machen, derenInteressen durch Oesterreich beherrscht würden, und die ihrerseits füralle und jede Interessen Oesterreichs ohne Erörterung unbedingt ein-zutreten hätten. Einen Majoritätsbeschluß glaubte man jederzeitherbeiführen zu können; dafür bürgte, was schon vor Jahren zuBregenz verabredet war. Und Preußen, meinte man, müsse demSpruch des Bundestages gehorchen; die schöne Begeisterung, die ineinem großen Theil von Deutschland aufloderte, werde es dazuzwingen; es könne sich weder vom Bunde losreißen und sich desVerraths am allgemeinen Vaterlande zeihen lassen, noch dem Kampfentziehen, wenn er erst — und wäre es gegen seinen Willen — anden Rhein verlegt sei. So rechnete man in Wien auf den Einflußder herrschenden Stimmung und den Druck der Verhältnisse! Eskam dieser Partei in ihrem leidenschaftlichen Eifer selbst daraus nichtan, gelegentlich einen Erzherzog blos zu stellen, und ihn eine etwaszweideutige Rolle spielen zu lassen, ja man scheute sogar den Bundmit Mächten bedenklichster Art nicht, um zum Ziele zu gelangen.Einer der bedeutendsten und einflußreichsten Staatsmänner Oester-reichs wurde verschiedentlich von befreundeter Seite auf die Schwierig-keit des Beginnens aufmerksam gemacht; man fragte, ob denn auchwirklich die Zustimmung der deutschen Fürsten sicher sei? und ver-wies auf einen der bedeutendsten dieser Fürsten, von dem man glaubte,daß er für seine Person nichts weniger als österreichisch gesinnt sei.Die Antwort war: gerade dieses Fürsten sei man gewisser als jedesanderen; man kenne die mit gutem Bedacht wohl vorbereitete Stim-mung, die in seinem Lande und seiner Armee herrsche; wenn er nichtunbedingt mit Oesterreich gehen wolle, lause er Gefahr, das Schicksaldes Großherzogs von Toscana zu erleben und den Thron einem Ag-naten in aufsteigender Linie einräumen zu müssen.
Der Erzherzog Albrecht äußerte sich inzwischen in Berlin mitvieler Mäßigung, indem er von dem eventuellen Krieg Deutschlands