300 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (i85!1).
gegen Frankreich sprach, wenn er auch allerdings ankündigte, daß seinHof die Absicht habe, sich mit einem Ultimatum unmittelbar an denKönig von Sardinien zu wenden. Der Krieg in Italien werde, meinteer — wenn nämlich Preußen diesen Plänen beistimmte — stets nureine Nebensache sein und Oesterreichs Heer dort mit Leichtigkeit dasFeld siegreich behaupten. Der Schwerpunkt der Entscheidung liegein dem Heereszng Deutschlands über den Rhein nach Frankreich,darum werde auch der Kaiser Franz Joseph nicht nach Italiengehen, sondern für seine Person aus dem entscheidenden Kriegsschau-platz bei seinem Heer am Rhein auftreten. Für diesen Krieg habeOesterreich nicht weniger als 260,000 Mann in Bereitschaft.
Diese Behauptung war, beiläufig bemerkt, etwas gewagt; manwußte in Berlin sehr gut, daß Oesterreich zur Zeit in Böhmen, woder größte Theil dieser Armee schon vereinigt sein sollte, selbst mitEinschluß der ganz unsicheren italienischen Regimenter, nur etwa80,000 Mann beisammen hatte; die sechsten und siebenten Batailloneder Infanterie-Regimenter, die immer mitgerechnet wurden, um aufrecht imposante Zahlen zu kommen, waren eine bloße Vorstellung,eine Idee, zu deren Ausführung man noch nicht einmal die Rekrutenbeisammen hatte. Auch wurden die Streitkräste, über welche Oester-reich verfügen konnte, noch dadurch vermindert, daß Ungarn, wo sichvielerlei gefährliche Elemente regten, nicht ganz von Truppen entblößtwerden durfte.
Ferner ging der Erzherzog von der Ansicht aus, daß die Bnndes-kriegsverfassung, auf die Oesterreich sich ein paar Monate späterwieder sehr entschieden berief, nicht ausführbar sei; sein Hof, erklärteer, wolle von ihren Bestimmungen absehen; die beiden norddeutschenArmeecorps sollten unter preußischen, die süddeutschen unter öster-reichischen Heerbefehl gestellt, und die Einheit der Leitung im Ganzennicht durch die Ernennung eines Bnndesseldherrn vermittelt werden,sondern durch die Bildung eines Hauptquartiers, in welchen: derKaiser Franz Joseph und der Prinz-Regent von Preußen sich überdie Operationen zu verständigen hätten.
Daß Napoleon III. gestürzt und aus Frankreich vertriebenwerden sollte, wie Gras Rechberg schon etwas früher angedeutethatte, und wenig später zu Wien unumwunden, auch gegen denGeneral v. Willisen, anssprach, sagte der Erzherzog in Berlin