Band 
Zweiter Band.
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820 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien, <1859,)

Sieg konnte die österreichische Uebermacht unbedingt sicherstellen, undgelang es, die sardinische Armee in das Tiefland am Po und gegenTurin zurückzuwerfen, so wurde eine Verfolgung möglich, von derman die gänzliche Zerrüttung der besiegten Heeresmacht hoffen durste.Was von französischen Hülsstruppen über den Mont-Cenis herankamund, wie das die Natur solcher Gebirgspässe mit sich bringt, nurin einzelnen Abtheilungen nach einander an dem diesseitigen Fußder Alpen anlangen konnte, genügte dann schwerlich das Gleich-gewicht wiederherzustellen, konnte vielmehr sehr leicht mit in dieNiederlage verwickelt werden, ehe die andere französische Heeresmachtvon Genua her die nöthige Zeit gefunden hatte, sich zu sammelnund der Apennincnpässe Herr zu werden; d. h. ehe sie einen fühl-baren Einfluß auf den Gang der Ereignisse zu gewinnen ver-mochte.

Aber gelang es auch der sardinischen Armee ihren Rückzugüber Novi und die Bocchetta glücklich nach Genua zu bewerkstelligen:immer war die Heeresmacht der Verbündeten am Mont-Cenis undin Genua in zwei Halsten gespalten, deren Vereinigung sehr schwierigwurde: die Oesterreichs hatten den großen Vortheil einer centralenStellung, und die Möglichkeit, den einen oder den andern diesergetrennten Hecreskörper vereinzelt zu fassen und zu schlagen, währendihre eigene Rückzugslinie weder vom Mont-Cenis noch selbst vonGenua her so leicht gefährdet werden konnte").

Nichts von dem Allen geschah, ja Graf Gyulai that vonAllem, was man erwarten durfte, das gerade Gegentheil. DieHeeresmacht der Oesterreichs ging am 29. April — an dem Tage,an welchem bereits die ersten französischen Truppen Canrobert'sam diesseitigen Fuß der Alpen bei Susa eintrafen — auf demlinken, nördlichen Ufer des Po vorwärts über die Grenzen dessardinischen Gebiets. Drei Heertheile unter den Generalen BaronZobel, Fürst Edmund Schwarzenberg und Graf Stadion gingenbei Pavia, Bereguardo und Vigevano über den Ticino; ein vierterunter dem Fürsten Eduard Liechtenstein folgte als Rückhalt; einfünfter unter General B enedeck sammelte sich bei Piacenza — wirwissen uns in Verbindung mit dieser Eröffnungsweise des Feldzugesnicht recht zu erklären, warum — ein sechster endlich unter demGrafen Schaffgotsch war noch im Heranmarsch von der adriatischen