Band 
Zweiter Band.
Seite
319
JPEG-Download
 

Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) Zig

sich etwa über Novara und Vercelli vorbewegeu wollte. Ein solcherAngriff wurde bedenklich, sobald das österreichische Heer, das ihnwagen wollte, befürchten mußte, seinerseits von dorther in der linkenFlanke angegriffen, von seinen Verbindungen mit dem Innern derösterreichischen Monarchie abgedrängt und in die penniuischeu Alpenoder an den Fuß des Simplon und Gotthard geworfen zu werden.

Um Alessandria und Casale vereinigt, mit einer Reserve aufden Höhen von Novi mußte sich Graf Gynlai die sardinische Armeedenken, und über das, was er zu thun habe, schien es nach demUrtheil so ziemlich aller denkenden Militärs, kaum zweierlei Meinungengeben zu können. Es lag in seiner Macht, dem Angriff eine Rich-tung zu geben, die ihn der sardinischen Armee, trotz der nahenHülfe, sehr gefährlich machen konnte. Die Oesterreichs mußten aufdem rechten Po-Ufer vorgehen und sich dabei auf Piacenza stützen:wozu hatten sie Piaeenza mit großer Anstrengung in einen Waffen-platz verwandelt, wenn nicht dazu?

Hier verirrte die österreichische Armee sich nicht in nasse Reis-felder, sie blieb auf einem erhöhten Gelände, wo der Regen ihrnicht hinderlich wurde und keine Snmpsfieber zu fürchten waren: siestieß da nicht auf bedeutende Ströme, deren Ueberbrückung Zeit er-forderte, deren User der Feind vertheidigen konnte — und gleich ihreersten entschlossenen Schritte vorwärts brachten den Gegner in eineungünstige Lage. Die Sardinier waren genöthigt, nach Osten Frontzu machen; ihre Rückzugslinie nach Genua lag dann, dem Angriffausgesetzt und gefährdet, in der Verlängerung des rechten Flügels.Für die Oesterreicher handelte es sich darum, diesen rechten Flügelder Sardinier zu umgehen, sich der Höhen von Novi zu bemächtigen,den Paß von Serravalle zu schließen, die Eisenbahn nach Genua zuzerstören, um die französische Hülfe, die von dorther zu erwartenstand, wenigstens auf lange abzusperren und sich dann mit erdrücken-der Uebermacht, wie sie zu Gebote stand, auf Victor Emanuel'sHeer zu werfen. Möglicher Weise konnte der Angriff auf die Höhenvon Novi die Sardinier veranlassen oder zwingen, noch vor ihrerVereinigung mit den Verbündeten eine Schlacht zu wagen, alsäußersten Versuch, den wichtigsten Paß und die Verbindung mitGenua zu behaupten. Eine andere Combination, die sie zu solchemWagniß bewegen konnte, möchte es wohl kaum gegeben haben. Den