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Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.)
man gewahrte, wie es scheint, mit naiver Verwunderung, daß diesardinische Armee nicht auf der Straße von Turin nach Novara stehe.Bald wurde nun auch im Hauptquartier bekannt, daß die Hauptmasseder feindlichen Heeresmacht um Alessandria versammelt sei. Augen-blicklich fühlte sich Gyulai durch diese ihre unerwarteteFlankenstellung gelähmt; die Offensive, sowie er sie angefangenhatte, war unmöglich fortzusetzen, der Stoß auf Turin konnte nichtgeführt werden. Gyulai kehrte um; nur Zobel's Heertheil bliebbeobachtend an der Sesia stehen, die Stirn gegen Turin gewendet;mit seinen übrigen Truppen zog der Feldherr an den Po hinab undstellte sich am Ufer dieses Stroms zwischen der Sesia und dem Ticinoaus, Front nach Süden; Schwarzenberg und Stadion in ersterLinie, Eduard Liechtenstein als Rückhalt an der Agogna; jenseitsdes Ticino, bei Pavia und Piacenza schloß sich Benedeck's Heer-theil an den linken Flügel dieser Aufstellung.")
Und nun verweilte Gyulai wochenlang in dieser Lage in einerrathlosen Unthätigkeit, die für ganz Europa der Gegenstand einesnamenlosen Erstaunens wurde. Er war aus einer etwas großspreche-risch angekündigten Offensive ganz von selbst, ohne daß er auch nurein unglückliches Gefecht gehabt hätte, in die Vertheidigung zurück-gefallen, zu einer Zeit, wo die überlegene Macht, die Möglichkeit, dieInitiative zu ergreifen, durchaus in seiner Hand lag, der Feindweder versammelt noch kampfbereit war. Der Umschwung erfolgteblos, weil Gyulai sich nicht mit Klarheit Rechenschaft von dem zugeben wußte, was die Lage der Dinge gebot und sich nicht zu einementsprechenden Entschlüsse zu erheben vermochte.
Zwar soll der Regen, der am 5. und 6. Mai einfiel, die Schuldtragen; alle Bewegungen, heißt es, seien im überschwemmten Tief-lande der Lomellina unmöglich geworden. Das scheint aber eineziemlich unhaltbare Ausflucht. Man frage sich nur, ob in einemdicht bevölkerten, reichen Lande die Wege so beschaffen sein können,daß bei jedem Regenguß aller Verkehr augenblicklich aufhört. EinGefecht, ein taktisches Manövriren wird allerdings bei nassem Wetterunmöglich in jenen Gegenden, weil man alsdann nicht die Heerstraßenverlassen darf, die sich auf ziemlich hohen Dämmen durch das feuchteGelände ziehen, weil man von diesen weder Rechts noch links hinab-steigen kann in die durchweichten Wiesen und überschwemmten Reis-