Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) 331
dem nördlichen Ufer des Flusses, — dem feindlichen für die Franco-Sarden — nur ein schmaler Arm von geringerer Tiefe und ge-linderer Strömung zu überbrücken bleibt. Oder befürchtete man jabei Cremona den Feind zu bald herbeigeeilt schlagfertig gegenüberzu finden, so konnte man sich weiter abwärts nach Casale-Maggiorewenden, wo die örtlichen Verhältnisse ähnliche Vortheile bieten.Dorthin wäre das österreichische Heer dem verbündeten wohl kaumzuvorgekommen, denn in Folge der Wendung nach Süd-Osten, dieder Strom bei Cremona macht, hatte es nach Casale-Maggiore denweiteren Weg zurückzulegen").
Zweierlei konnte sich dann weiter ergeben, wenn die verbündeteHeeresmacht an einem dieser Punkte das linke Ufer des Po ge-gewonnen hatte. Entweder, die Oesterreichs suchten ohne Kampfihre feste Stellung am Mineio zu erreichen, oder sie gingen derfranzösischen Armee zum entscheidenden Kampf herausfordernd ent-gegen, um sie wieder über den Strom zurückzuwerfen. Dies Letzterewar es, worauf man sich eigentlich gefaßt machen mußte, da Gynlai'sHeer seinem Gegner noch unbesiegt, durch keinen Kampf erschüttert,gegenüber stand.
In einer Schlacht am Oglio aber, die dann erfolgen mußte,konnte es, wenn sie für die Verbündeten siegreich ausfiel, möglichwerden, die Oesterreichs von der Rückzugslinie an den Mincio ab-zudrängen und in die Gebirge westlich vorn Gardasee zu werfen.Noch leichter konnte das gelingen in dem allerdings weniger wahr-scheinlichen Fall, daß Gynlai den Mincio ohne Kampf zu erreichensuchte, im Marsch ereilt und in der Flanke angegriffen wurde. Jeden-falls stand es nach einem siegreichen Kampf in der Macht derVerbündeten, den Oesterreichern die Möglichkeit des Flankenrückzugsan den Mincio theuer zu verkaufen und die Vertheidigung diesesFlusses unmöglich zu machen.
Auch für den weiteren Verlaus des Feldzngs konnte der Ueber-gang bei Cremona die Einleitung zu entscheidenden Operationenbilden, wenn Napoleon III. größere europäische Verwickelungennicht fürchtete, seiner Macht vertraute und dem Entschluß ge-wachsen war.
Es war leicht, den Heertheil unter dem Prinzen Napoleonaus Toscana über Bologna und Modena an den unteren Po