Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) ZZ5
Demonstrationen und erwartete den Angriff am Po in einer Stellung,von der er in seinen Tagsbefehlen mit großer Ruhmredigkeit sprach.Der Chef seines Stabes, Oberst Kühn, errieth die Absichten desFeindes besser, aber ohne den Feldherrn zu überzeugen. Daß Gyulaieine Umgehung seines rechten Flügels nicht für wahrscheinlich hielt,das läßt sich rechtfertigen: nicht aber daß er auch gegen die Evidenzdie Augen schloß, als sie dennoch erfolgte.
Bis zum 1. Juni stand die Masse des österreichischen Heeresruhig am Po: Edmund Schwarzenberg und Stadion zwischender Sesia und dem Ticino, hinter ihnen Eduard Liechtenstein beiGarlasco; Zobel's eine Division (Reischach) unbeweglich bei Candia;die andere (Lilia), bei Palestro geschlagen, war bis Mortara zurück-gewichen. Zwei andere Heertheile standen weiter östlich, nämlichSchassgotsch bei Pavia, Benedeck fast außer dem unmittelbarenBereich des Feldherrn bei Piacenza.
Am 1. Juni endlich verlegte Gyulai sein Hauptquartier vonGarlasco nach Mortara, und brachte Schwarzenberg's Heertheilmit dorthin. Zobel hatte durch Gefangene in Erfahrung gebracht,daß 50,000 Mann feindlicher Truppen bei Novara vereinigt seien,und forderte den Feldherrn auf, ihm die drei Heertheile, die in derNähe zur Hand waren (Schwarzenberg's, Liechtensteiu's undseinen eigenen) zu einem raschen Angriff aus Novara anzuvertrauen.Das hätte am 2. geschehen können, aber es läßt sich erklären, daßGyulai seine Einwilligung nicht gab. Die Sachlage war wohl kaumhinlänglich aufgeklärt, er konnte nicht beurtheilen, in welches Wespen-nest er bei Novara mit einem möglicherweise ungenügenden Theilseiner Heeresmacht stach. Schwerer ist gewiß zu rechtfertigen, daßer nicht daran dachte, sein gesammtes Heer zwischen Äigevano undMortara zu sammeln, um einen solchen Angriff etwas später mit ge-sammter Macht zu unternehmen. Um so mehr, da er sich sehr baldentschloß, ein ähnliches Unternehmen, einen Flanken-Angriff auf desFeindes Heeresmacht, aus dem linken User des Ticino auszuführen.Er wagte aus dem rechten User dieses Flusses nicht mehr als auf demlinken, denn der Rückzug über Vigevano blieb ihm stets gesichert,und er konnte bei Novara einen ungleich größeren Erfolg erfechtenals bei Magenta. Schon am 3. konnte er fünf Heertheile dazu ver-einigt haben. Clam-Gallas, dessen erste Division eben von Mai-