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Zweiter Band.
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Anmerkungen.

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gemacht, und hielt namentlich den Staatsmann der in Preußen die Leitung derauswärtigen Angelegenheiten übernommen hatte, für ein Mitglied und ein Werkzeugeiner unbedingt rcactionären Partei. In Folge dessen glaubte er, daß die preußi-schen Truppen — im Verein mit Oesterreichern — eigentlich nur um jede deutscheund liberale Bewegung in den Elbherzogthümern zu unterdrücken, und diese Landeschließlich in einer oder anderer Weise den Dänen wieder auszuliefern, an die Eidcrrückten. Daß er solchem Irrthum verfiel, läßt sich wohl erklären, wenn man sicherinnert wie weit verbreitet Befürchtungen dieses Inhalts zur Zeit auch in Deutsch-land waren. Lenkte die Politik Preußens in solche Bahnen, dann wollte Napoleonals der wahre Schirmvogt aller echt deutschen Interessen auftreten, und sich derSelbständigkeit der streitigen Herzogthümer unter einem deutschen Fürsten annehmen.Das dankbare Deutschland konnte ihm dann, so glaubte er, als Lohn für solcheThat, die deutschen Lande auf dem linken Rheinufer nicht versagen, besonders dadoch nur Preußen sie verloren hätte. Die erregte Phantasie, die sich in erwünschtenVorstellungen erging, glaubte sogar noch Größeres, noch schönere Möglichkeiten innicht all' zu großer Ferne zu sehen: einen Deutschen Bund von dem Oesterreich undPreußen, als den deutschen Interessen untreu geworden, ausgeschlossen wären; mitanderen Worten, einen wieder hergestellten Rheinbund unter französischem Protectorat.In welchem Umfang war dann Napoleon's I. großes Werk neu begründet und voll-endet! — welche Befriedigung für das französische Volk. Der Neffe seines Onkelsblieb daher auch taub gegen alle Aufforderungen zu Gunsten Dänemarks einzu-schreiten, wie dringend sie auch wiederholt werden mochten. Wie er sich auf seinemWeg mit England abzufinden dachte, bleibt freilich ein Räthsel. Vorläufig hattenPalmerston und Ruffel keine Ahnung von seinen Plänen, und glaubten auch nichtdaran, als sie von besser Unterrichteten darauf aufmerksam gemacht wurden.

Ein weiterer Rechnuugsfehler lag dann der Haltung Napoleon's III. im Zahr1366 zum Grunde Der französische Kaiser wünschte den Krieg Preußens gegenOesterreich — ja er wollte ihn ausdrücklich, aber nur weil er überzeugt war daßPreußen in diesem Kampf unterliegen würde. Dann wollte er als Retter Preußensauftreten, — und sich dafür die deutschen Provinzen auf dem linken Rheinufer ab-treten lassen. Er förderte in jeder Weise den Abschluß des Bündnisses zwischenPreußen und Italien, weil er glaubte daß Preußen, ohne dieses Bünduiß, nichtden Muth haben werde den Kampf mit Oesterreich aufzunehmen. Ob dieses Bündnißgeschlossen wurde oder nicht, hing in der That großentheils von ihm ab, da zurZeit General La Marmor« an der Spitze der auswärtigen Angelegenheiten Italiensstand — stets jedes Winks aus Paris gewärtig, und gewohnt erst dort anzufragen,sobald ein Entschluß von Bedeutung zu fassen war. — Als dann das Bündnißglücklich geschloffen und der Krieg unvermeidlich geworden war, suchte freilich Na-poleon wieder die Kriegführung von Seiten Italiens so viel als möglich zu lahmen,damit Preußen in Deutschland um so gewisser besiegt werde. Der rasche Erfolgder preußischen Waffen war in Paris vollkommen unerwartet — und eben so un-erwünscht! — Die großen, hoffnungsreichen Pläne Napoleon's waren damit fürdiesmal wieder zertrümmert!

Am verhängnißvollsten - wenn auch an sich nicht eben irrthümlicher als an-dere auch — sind die Rechnungsfehler geworden, die Napoleon (1870) veranlaßtenPreußen in so frevelhafter Weise zum Kampf herauszufordern. Er bedurfte dieses

v. Bernhardt, verm. Schriften. II.