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Anmerkungen.
Wir wissen jetzt, daß dem nicht so ist. Zobel hat solche» Ratb nicht ge-geben und war auch wohl nicht der Man» dazu. Wohl aber sehen wir daß Gyulaiselbst, noch immer in dem Wahn befangen, die Hauptmacht des Feindes sei amPo versammelt und der eigentliche Angriff von dort her zu erwarten — daß nachPalestro und Novara nur ein feindlicher Heertheil von etwa 56,000 Mann vor-gegangen sei — einen Augenblick mit dem Plan umging, diesen Feind in seinergewagte» Stellung mit drei Armee-Corps anzugreifen. Mit dem 2., j. und 7. —Liechtenstein, Edm. Schwarzenberg und Zobel — das heißt mit sechs Divisionen,von denen zwei den Tag zuvor ein sehr unglückliches Gefecht bestanden hatten! —Der Versuch wäre ohne Zweifel sehr unglücklich ausgefallen.
Auch sollte sich die Scene bald genug andern, der gefaßte Entschluß in dasentschiedenste Gegentheil umschlagen. Gyulai wurde inne daß die feindliche Haupt-macht zwischen Vercelli, Palestro und Novara versammelt sei und scheint nun plötz-lich seine Lage als eine höchst ungünstige empfunden zu haben; seine Charakter-festigkeit reichte nicht weiter, sie reichte nicht aus für eine Lage der Dinge, wie ersie nun sah; er brach cntmuthigt zusammen! — Das ist keine bloße Vermuthung,es ist erwiesene Thatsache; der F.-Z.-M. Heß, der Tags darauf in das Hauptquartiergesendet wurde, hatte von dort aus zu berichten, daß er bemüht gewesen sei, denF.-Z.-M. Gyulai „wieder aufzurichten".
In dieser Stimmung wollte Gyulai über den Ticino zurückgehen, ganz gegendie Ansicht des Militair-Cabincts, das jetzt dem Kaiser Franz Josef nach Veronagefolgt war. Oberst Kuh», Chef des Gcncralstabs, soll der Ansicht gewesen sein,man müsse die Armee auf dem rechten Ufer des Ticino vereinigen und mit ge-summter Macht zum Angriff auf Novara vorgehen. Einen Augenblick scheint seinEinfluß überwogen zu haben; Gyulai wurde bestimmt, die schon erlassene» Befehlezurückzunehmen und den untergebenen Generalen — um 11'/z Uhr — zu erklären,daß er sich auf dem rechten Ticino-Ufer behaupten wolle. Doch eine solche erborgteFestigkeit hält sich nicht lange. Schon eine halbe Stunde später — um12 Uhr — gewann wieder die Entmuthigung das Uebcrgewicht und Gyulai beschloßin hoffnungsloser Stimmung von Neuem den Rückzug; nicht wie man veranlaßtwar zu glauben, um jenseits des Ticino den Feind durch einen Flanken-Angriffaufzuhalten —: er wollte vielmehr sofort bis hinter den Mincio zurück und meldetedas seinem Kaiser. Irgend jemand aus seiner Umgebung — vielleicht Oberst Kühn —scheint dann wieder über ihn vermocht zu haben, daß die Worte, die auf den so-fortigen Rückzug an den Mincio deuteten, in seinem Bericht wieder gestrichen wur-den und nur von einer Stellung am Ticino, zwischen Magenta und Pavia dieRede war. Vierundzwanzig Stunden später kündigte Gyulai an daß er dem Feinde,der bei Turbigo über den Ticino ging, mit einem Flanken-Angriff entgegen-treten werde.
Auch Napoleon's Kriegführung erregt manchen Zweifel. Auffallend ist daßer nicht, wie das nahe lag, die österreichische Armee zur Schlacht aufsuchte undlediglich darauf bedacht war, sich Wege in das Mailändische zu öffnen. Geschahdas in der Voraussetzung, daß die Erscheinung französischer und piemontesischerTruppen dort überall, und namentlich in der Hauptstadt der Lombardei, einenVolksaufstand hervorrufen werde, der die Stellung der Oesterreicher bis zum Minciounhaltbar mache» mußte? — War die Umgehung nach Novara überhaupt nur darauf