382 Die Reform der Hecresoerfossuiig. (März 1860.) -
die Zahl der Linienregimenter war verdoppelt, und da diese Verstär- ^kungen für so gewaltige Kämpfe bei Weitem nicht genügten, wurdenzahlreiche Landwehren aufgeboten — vollständig improvisirte Batail-lone, denen nur ein sehr kleiner Bruchtheil kriegsgeübter Mannschaft,nicht als Kern, kaum als Lehrer genügend, denen nur wenige Offiziereaus den Reihen des früheren Heeres zugetheilt werden konnten.
Ueberdies schlecht gekleidet und dürftig ausgerüstet, leisteten diesenahezu oder vollständig improvisirten Schaaren tüchtige Dienste, wieman sie irgend von alten sieggewohnten Truppen erwarten darf —ja es ist kaum irgend eine Schaar zu nennen, die sich nicht einer !
besonders glänzenden Wasfenthat aus jenen Tagen zu rühmen hätte. .
Es konnte kaum fehlen, daß so großartige und so erwünschte ^
Erfahrungen einen mächtigen Einfluß aus die herrschenden Ansichten ;
über die zweckmäßigste Art der Heeresorganisation übten. Namcnt- s
lich bei denen, die geneigt sind, die Macht der edleren, idealen Mo- !
tive im Geist und Gemüth des Menschen zu überschätzen, welche die ^
Verhältnisse, in denen sich das Leben der Menschen und der Staatenbewegt, leicht in idealisirender Weise beurtheilen, riefen dieselben An-sichten hervor, die eine ernstere und strengere Prüfung in der Aus-dehnung, die man ihnen geben wollte, nicht für begründet erachtenkonnte.
Vielfach haben sich seitdem — und bis auf die gegenwärtigeZeit herab — Stimmen erhoben, die mehr oder weniger bedingt oderunbedingt nicht etwa blos einzelne Elemente des früheren Heerwesensveraltet, sondern unsere Zeit überhaupt dem Institut der stehendenHeere entwachsen glaubten. Stimmen, die da wähnten, daß für dieWehrkraft des Landes am allerbesten gesorgt sei, wenn man sich aufdie Begeisterung der Masse verlassen wollte — die unter gewissenBedingungen unfehlbar hervorzurufen sei —, auf eine Volksbewasf- ^nung, deren inneren Werth man höher stellen zu dürfen glaubte, als ^den eines stehenden Heeres. Ausschließlich nur als Schule füreine solche Volksbewaffnung, nicht als den nothwendi-gen, festen, vorbereiteten Rahmen, der im Falle einesKrieges die bewaffnete Jugend des Landes in sich auf-zunehmen habe, rieth man das stehende Heer beizube-behalten.
Es hat sogar nicht an solchen gefehlt, die, unbekannt, wie wir