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Zweiter Band.
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Die Reform der Heeresverfassung. (März 1860.) 385

' Krieg von Seiten der gegen Frankreich Verbündeten nur mit einerhalbweges der Größe der Aufgabe entsprechenden Eimnüthigkeit, In-tensität und Energie geführt worden, so würde die Zeit für diesenmilitärischen Bildungsgang gefehlt haben, so möchte es wohl kaumzu diesen wiederholten Feldzügen gekommen sein.

Während der ersten Jahre der Revolution also, als Frankreichdie Invasion fremder Mächte und die Herrschaft der Emigrirten abzu-wehren hatte; als die gesammte Bauernschaft Frankreichs ihr Eigen-thum und ihre persönliche Freiheit zu vertheidigen hatte; als, wieuns alle Denkwürdigkeiten aus jenen Tagen, alle Reisende, die dasLand gesehen, alle französischen Geschichtschreiber gleichmäßig ver-sichern, überall, und vor Allem in den Reihen des Heeres, der Schaaren,die freiwillig znr Vertheidigung an die Grenzen eilten, eine großeBegeisterung für die neuen Ideen, für Freiheit und Vaterland herschte— da war der kriegerische Werth dieser Armee ein ungemein geringergewesen.

In einer späteren Zeit dagegen, unter Napoleon I., als in denReihen der französischen Armee von Freiheit und einer Begeisterungfür sie, von Begeisterung für Ideen überhaupt laugst nicht mehr dieRede sein konnte und nicht war, als alle solche Stimmen längst ver-stummt, dafür aber hohe taktische Ausbildung, musterhafte Disciplin,eine große militairische Intelligenz des Offiziercorps und ein sehrexklusiver Standesgeist und Stolz an die Stelle jener früheren Mo-tive getreten waren: da wurde dies Heer der ganzen civilisirten Weltfurchtbar, da war es ein Heer, in kriegerischer Tüchtigkeit nie über-trosfen, und sehr selten erreicht! Ein starker Beweis dafür, daßdie Brauchbarkeit und Zuverlässigkeit einer bewaffnetenMacht nicht immer aus denjenigen Elementen hervorgehtdurch welche eine idealisirende Ansicht der Welt sie bedingtglauben möchte.

Man wende den Blick aus Spanien, aus seinen siebenjährigenKamps gegen Napoleon I. Hier wurde der Entschluß einer hoch-sinnigen Nation, deren ganze Geschichte ihr das Zeugniß einer fastbeispiellosen Zähigkeit und Ausdauer giebt, im Kampf für ihre Selbst-ständigkeit noch durch die ganze gewaltige Macht der Kirche gehobenund getragen. Die siebenjährige Dauer des Kampfes und Erschei-nungen wie die Vertheidigungen von Saragossa und Gerona bürgen

v. Bernhardt, venn. Schriften. II. 25