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Zweiter Band.
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Die Reform der Heeresverfassung. (März 1860.)

für den Ernst, mit dem er geführt wurde — und dennoch stäubtendie improvisierten Miliz-Bataillone der Spanier aus dem Schlacht-felde stets und immer wieder vor jedem Angriff der Franzosen aus-einander wie Spreu vor dem Winde — und fast das ganze Landwar, trotz des Beistandes der Engländer, nach und nach der Gewaltder Franzosen verfallen, als die mächtigen Ereignisse in Rußlandund Deutschland auch diesem Kämpfe eine rettende Wendung gaben.

In Wahrheit, es heißt die Bedeutung und den Werthder Dienste, welche die preußischen Landwehren 1813 ge-leistet haben, verkennenund unterschätzen, wennmanwähntdaß dieselben Erscheinungen sich immer und überall mitLeichtigkeit wieder hervorrufen lassen.

Es gehört dazu bei Weitem mehr als eine blos gehobene Stim-mung, selbst wenn man diese stets ohne Weiteres voraussetzen dürfte— was keinesweges der Fall ist —, es gehört dazu eine tief wur-zelnde, nachhaltige Erbitterung. Zu einer Stimmung von solcherIntensität und Macht wird die Masse nie durch bloße Vorstellungengebracht; nur wirkliche, thatsächliche Erlebnisse, deren Stachel jederEinzelne mitempfunden hat, vermögen in einer ganzen Bevölkerungeine solche Gewalt des Willens hervorzurufen.

Im Jahre 1806 konnte jeder Verständige ziemlich vorhersagen,was Preußens Schicksal sein mußte, wenn es in dem Kamps mitdem französischen Kaiserreich unterlag, dennoch aber wäre gewiß jederVersuch, eine allgemeine, freiwillige Bewaffnung des Landes hervor-zurufen, um solches Unheil abzuwehren, vollkommen erfolglos geblieben.Sie möglich zu machen, dazu bedurfte es der Erlebnisse vom TilsiterFrieden bis 1812 und ihres Stachels. Wir wollen dem Vaterlandedie Erfahrungen nicht wünschen, die allerdings bei einem tüchtigenund kriegsmuthigen Volk, wie das preußische ist, dieselben Erscheinungenjedesmal in das Leben rufen würden.

Die menschlichen Dinge sind von solcher Natur, daßInstitutionen, die sich für die Dauer bewähren sollen,nicht eine vorausgesetzte gehobene Stimmung zur Grund-lage haben dürfen, daß dabei auf eine allgemeine Be-geisterung nicht als aus eine nothwendige Bedingung ge-rechnet sein darf. Die Begeisterung ist ihrer Natur nach etwasMomentanes, ein Zustand höchster und edelster Spannung, zu dem