Band 
Zweiter Band.
Seite
409
JPEG-Download
 

Die Reform der Heeresverfcissrmg. (März 1860.)

409

Der General deutet dann auch an, daß die Verpflichtung zumDienst in erster Linie, nach unserem bisherigen System auf eine zulange Reihe von Jahren ausgedehnt sei; nämlich bis zum vollendetenzweiunddreißigsten Lebensjahr des Verpflichteten; dann aber dehnter selbst sie noch um ein Jahr weiter aus, nämlich bis aus das drei-unddreißigste Jahr des Soldaten, der vom zwanzigsten Jahre ab,acht Jahre lang Soldat und Reservist der Füsilier-Bataillone, unddann noch süns weitere Jahre Grenadier sein soll.

Nothwendig kommen wir zuletzt dahin, uns zu fragen: wenn aufdiese Weise keinem der Mängel abgeholfen werden soll, die GeneralWillisen in unserer bisherigen Militairverfassung zu sehen glaubt:wozu dann der gewaltig gesteigerte Aufwand finanzieller Mittel, densein System gleichwohl fordert? — Denn wie man dieses Systemauch im Uebrigen beurtheilen mag, die einfachste Berechnung führtzu der Ueberzeugung, daß es sich wenigstens ganz gewiß nicht alsein wohlfeiles erweisen würde! — Es frägt sich, ob das Landim Stande wäre, die Kosten der so verstandenen zweijähri-gen Dienstzeit zu tragen.

Die allgemeine Wehrpflicht ohne Stellvertretung wird dem preu-ßischen Heer auch in seiner neuen Formation Elemente zuführen, die,wie uns scheint, erst in dieser zu ihrer vollen Geltung kommen können.

Den jungen Leuten aus den gebildeten Ständen wird jedenfallsauch in der neuen Formation eine ihren bisherigen Verhältnissen inder Armee entsprechende Stellung angewiesen werden.

Es ist dringend geboten, diesen jungen Leuten die Möglichkeitzu gewähren, ihrer Dienstpflicht in einer Form zu genügen, die nichteine Verschwendung der intellektuellen Kräfte des Landes einschließt,und der Zukunft des Landes, insofern diese auf den intellektuellenKräften der jüngeren Generation beruht.

Wie das auf der einen Seite eine Nothwendigkeit ist, kann ausder anderen für die Armee großer Gewinn daraus gezogen werden.

Man hat im Felde nie Offiziere genug. In den meisten ArmeenEuropa's sieht man sich in jedem Kriege sehr bald in die Nothwendig-keit versetzt, Unteroffiziere massenweise und ohne sonderliche Auswahlzu sehr mittelmäßigen Offizieren zu befördern. Später findet man