420
Die Reform der Hecresverfossung, (Jan. 1860)
rathung einen sehr weit greifenden Charakter an. Die Majoritätdieser Commission gelangte nämlich im Laus der Debatte dahin, demEntwurf der Regierung einen anderen entgegenzusetzen, den sie selbsteinen „Gegenentwnrf" nannte; der, in Beziehung aus militairische sZweckmäßigkeit, von gerade entgegengesetzten Ansichten und Ueber- kzengungcn ausging — und in Folge dessen natürlich fast in allen jBestimmungen einen Gegensatz zu jenem bildete.') «
Es kann nicht unsere Absicht sein, alle Fragen zu erörtern, die ^sich diesem Gesetzentwurf gegenüber aufdrängen. Aber da sich derVerfasser in der Lage befindet, auch seine öffentlich ausgesprocheneUeberzeugung gegen die Argumentation der Commission — oder viel-mehr ihrer Majorität — vertheidigen zu müssen, scheint es nöthig,nicht nur die Gründe, die gegen seine Ansicht geltend gemacht wordensind, einer prüfenden Betrachtung zu unterwerfen, sondern auch diepositiven Vorschläge der Commission. Beides ist der Natur der Sachenach so eng mit einander verflochten, daß es nicht getrennt werdenkann; denn wo die Kritik sich nicht darauf beschränkt, einen vorlie-genden Entwurf abzulehnen, wo sie, weiter schreitend, aus ihrem ver-neinenden Urtheil ein vollständiges System neuer Vorschläge hervor-gehen läßt, das an die Stelle jenes ersten, getadelten Planes tretensoll —: da ist die Frage, aus deren Beantwortung es eigentlich an-kömmt, die, ob die Normen dieses Gegen-Entwurfs wirklich als die j
besseren anerkannt werden müssen, ob die ablehnende Kritik durch sie s
gerechtfertigt erscheint oder nicht.
Schon bei einem ersten, flüchtigen Blick auf den „Bericht" derCommission an das Haus der Abgeordneten, ergiebt sich nun aber,daß wir in dem Plan zu einer Reorganisation des preußischen Heeres,den er uns bringt, doch nur in sehr bedingter Weise und mit gewissenEinschränkungen eine eigene Schöpfung dieser Commission anerkennendürfen. Die Vorschläge, die uns darin vorgelegt werden, sind imWesentlichen einer kleinen Schrift des Generals v. Willisen entlehnt;jener Flugschrift, die unter dem Titel: „Ueber große Landes-Verthei-digung oder Festungsbau und Heerbildung in Preußen," in den erstenWochen des vergangenen Jahres erschienen war.
Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte der General selbst nicht er-wartet, daß man einen so ernsten Gebrauch von seiner Schrift machenwerde. Wenigstens scheint die Vermuthung gerechtfertigt, daß er den