Die Reform der Heeresverfossung. (Jan. 1861.)
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Daß die eigenthümlichen Verhältnisse Preußens auch in seinergegenwärtigen Heeresverfassung allerdings sehr bestimmt berücksichtigtsind, scheint uns demnach nicht zu verkennen zu sein. Der Grundsatz, daßPreußen darauf angewiesen ist, einen verhältnißmäßig geringeren finan-ziellen Aufwand zu machen, als z. B. Frankreich, und den Ersatz inder Intelligenz, der Tüchtigkeit und dem Gemeinsinn seiner Bevölkerungzu suchen, ist in dieser Organisation keineswegs verläugnet.
Es sei vergönnt hinzuzufügen, daß uns die preußischen Einrich-tungen keineswegs blos im Licht eines Nothbehelfs erscheinen. Wohluns und dem Vaterlande, daß es ein Heer haben kann, das im bestenSinn des Worts ein nationales genannt werden darf!
In dem „Gegen-Entwurs", in welchem die bisher besprochenenArgumente, wie gesagt, mit Stillschweigen Übergängen sind, wird diezweijährige Dienstzeit und das ganze System, welches die stimmfüh-renden Mitglieder der Militair-Commission, den Spuren des Gen.v. Willisen folgend, daran geknüpft haben, auch nicht blos als einimmerhin ausreichender, durch die Verhältnisse Preußens gebotenerNothbehels, oder auch nur vorzugsweise als ein solcher angerathen.Dieses System wird vielmehr in dem Bericht der Commission wiein der Flugschrift des Generals, als das an sich bessere empfohlen;es wird aus entschiedene positive Vortheile hingewiesen, die es an-geblich gewährt.
Hierbei verwickelte man sich indeß, wie uns schien, in unlösbareWidersprüche, indem man abwechselnd gerade entgegengesetzte Vortheilegeltend machte, die zu erwarten seien.
Einmal wurde gesagt, eine zweijährige Dienstzeit bei der In-fanterie gestatte jedes Jahr um die Halste mehr Rekruten bei denRegimentern einzustellen und für den Kriegsdienst auszubilden, undwerde mithin die Wehrkraft des Landes massenhaft steigern. Unddann wurde wieder geltend gemacht: eine zweijährige Dienstzeit, diestets nur zwei Jahres-Contingente bei der Fahne vereinigt halte,vermindere den Präsenzstand der Bataillone im Frieden um ein Drit-theil — und folglich die Verpflegungskosten der Mannschaft um ebenso viel.