Die Reform der Heeresverfassung. (Jan. 1861.) 440
schon sie jene erste Last, sondern gerade weil sie sie getragen haben,und die Anderen bleiben frei, nicht obschon sie erst verschont wurden,sondern weil sie erst verschont geblieben, deshalb bleiben sie es wie-der. Jene müssen dienen, weil sie gedient haben, und diese bleibenfrei, weil sie frei geblieben sind."
Sehr wahr! General von Willisen läßt sich sogar durch ein leb-haft angeregtes Gefühl bestimmen, die etwas harte Bemerkung hin-zuzufügen: es lasse sich kaum etwas Jrrationelleres denken.
Nun ist ermittelt worden, daß im preußischen Staat jedes Jahrfüglich, selbst wenn alle billigen Rücksichten genommen werden, min-destens 63,000 junge Leute für das Heer ausgehoben werden können,und wahrscheinlich ist selbst damit die Zahl der jährlich heranwachsen-den Mannschaft nicht erschöpft.
Nach den Vorschlägen des Generals könnten nun aber doch trotzder Vervielfältigung der Cadres, der Regimenter und Bataillone,trotz einer in der That ganz unverhältnißmäßigen Steigerung desfinanziellen Aufwandes, den die Ausführung seines Entwurfs nöthigmachen würde, nur etwa um ein Viertheil mehr Rekruten als nachden bisherigen Einrichtungen jährlich zu dreijährigem Dienst einbe-rufen werden, theils zu einer anderthalbjährigen — d. h. ganz ge-wiß ungenügenden — theils zu einer zwei und einhalbjährigenWaffenschule in die Regimenter eingereiht werden, d. h. im Ganzenetwa 50,000.
Bei der Infanterie insbesondere 40,000 Mann, von denen 20,000nur anderthalb Jahre bei der Fahne blieben; um 3000 bis 4000Mann weniger als nach den Absichten der Regierung in einem jedenJahrgang zu dreijähriger Dienstzeit einberufen werden.
Wir bleiben also mit diesen Vorschlägen trotz allen Aufwandesweit vorn Ziel, weit von der massenhaften Ausbildung der Jugendzum Waffendienst, um derentwillen der General eigentlich die zwei-jährige Dienstzeit empfiehlt.
Er meint die gerechten Klagen über den Druck einer zu weitauf einen zu großen Theil des Lebens ausgedehnten Verpflichtungzum Dienst in erster Linie, im Felde, gäbe es nicht mehr, „wennAlle, welche dienen können, auch eingezogen und kriegsfähig gemachtwürden; dann könnten leicht 3 —400,000 Mann aus den 5 biL 6jüngeren Altersklassen gestellt werden, und man hätte nur nöthig,
v. Bernhardi, verm. Schriften. II. 29