Die Reform der Hecreövcrfassung. (Jan. 1861.)
457
dieser Verhältnisse Rechenschaft geben will, braucht nur in die Er-fahrungen des eignen Lebens zurückzugreifen. Wer von uns warnicht in der früheren Jugend bereit, Leben und Gesundheit leichthinzu wagen? — oft genug selbst aus Veranlassungen, die es wahrlichnicht werth waren. Und wer von uns thäte als gereifter Mann inderselben Weise dasselbe?
Der Landwehrmann bringt ein unendlich größeres Opfer alsder jüngere Linien-Soldat, wenn er ins Feld rückt, und es bedarfdaher für ihn einer sehr viel größeren Macht der Motive, wenn ermit gleicher Freudigkeit der ernsten Erfüllung seiner Pflicht entgegengehen soll! — Wir können und wollen doch gewiß dem Vaterlandnicht stets, als einzigen denkbaren Kriegsfall, Verhältnisse und Zu-stände wünschen, wie die von 1813 waren, die allerdings eine hin-reichende Wucht der Motive für jeden Einzelnen in sich trugen.
Den Thatsachen, den Erfahrungen gegenüber, die sich aus solcheWeise erklären, will es wenig bedeuten, wenn die Majorität der Com-mission sich auf die Autorität der Generale Grolmann und Boyenberuft, die das Landwehrsyftem nicht als einen Nothbehelf, sondernals das an sich Beste angerathen haben sollen. Denn selbst wenndie Genannten sich ganz so entschieden ausgesprochen hätten, wie hiervorausgesetzt wird, würde doch die einfache Antwort genügen, daßzur Zeit, wo sie sprachen, in Beziehung ans das, was von Landwehr,in weniger außerordentlichen Lagen als die von 1813 war, zu er-warten sei, noch keine Erfahrungen vorlagen. Man müßte eine sehrgeringe Meinung von der Intelligenz der berühmten Generale haben,wenn man annehmen wollte, daß lehrreiche Erfahrungen spurlos anihnen hätten vorübergehen können, ohne Einfluß auf ihre Ansicht derDinge zu üben.
Aber der Berichterstatter der Commission ist auch gar nicht ein-mal berechtigt, ihre Autorität so entschieden für sich in Anspruch zunehmen. Wir wissen uns nicht zu erinnern, auf welche allgemeinbekannt gewordenen Worte Grolmann's er sich dabei stützen könnte.Wer den General noch persönlich gekannt hat, weiß, daß er aus eineDiscussion der Landwehrversassung niemals einging — sondern sieablehnte wenn sie entstehen wollte.
Von Boyen liegen bestimmte Aeußerungen vor, aber sie habennicht so ganz entschieden die in dem Commissionsbericht vorausgesetzte