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Das Junge Deutschland und die preussische Censur : nach ungedruckten archivalischen Quellen / von Ludwig Geiger
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haben; denn sonst würden Sie mir die Zumuthung nichtmachen, es durch Sieveking (den damaligen Hamburger Bürger-meister) durch die Censur zu bringen. Wenn dieser mein Vaterwär', könnte er mir das Imprimatur nicht ertheilen; dazukommt, daß das Gedicht am unleidlichsten Preußen und dessenKönig berührt, wo Sieveking also aus Staatsgründen undPrivatsympathie nicht gut für mich sein würde."

Der Plan wurde indessen nicht so, wie Heine wünschte,ausgeführt. In mündlichen Vereinbarungen (Heine war vonEnde Juli bis Anfang October in Hamburg) wurde fest-gesetzt, daß das EposDeutschland" mit denNeuen Ge-dichten" zusammen erschien, daß zugleich aber von ihm eineSeparat-Ausgabe veranstaltet würde. Das Schicksal des Buchessah Heine voraus. Am 14. September 1844 schrieb er anseinen Freund Detmold:

In acht Tagen erscheint bei Campe mein neues Buch,welches zum größten Theil schon bekannte Gedichte enthält,aber auch ein noch unbekanntes großes Poem, von 8 Bogen,die Hauptsache, Spektakel erregend, und dasselbe beängstigtmich nicht wenig. Da das Opus nicht bloß radikal-revolu-tionär, sondern auch antinational ist, so habe ich die ganzePresse natürlich gegen mich, da letztere entweder in Händender Autoritäten oder der Nationalen steht und von denunpolitischen Feinden, von rein literarischen Schuften, unterallerlei Masken zu meinem Schaden ausgebeutet werden kann."

In Preußen wurde das Buch verboten,weil es," wiees in dem Gutachten des Obercensurcollegiums und im An-schluß daran auch in der Verfügung des Ministers hieß,vonS. 227 an lauter in Verse gebrachte Schandreden über denCharakter des deutschen Volkes, die politischen und socialenInstitute Deutschlands und insbesondere die brutalsten Aus-