Nünenbetten- und Pfahlbauten-Funde.
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eine höchst übertriebene. Diese Grabarten gehören meist der vormetallischen Zeit an; aber esfinden sich darin auch sehr hochentwickelte Werkzeuge: Messer, Sägen, Meißel, Äxte, Beile,Schaber znm Gerben u. s. w., Töpfe mit eingeritzten und ausgefüllten Zeichnungen, ohneDrehscheibe und doch geschmackvoll gearbeitet, ferner Perlenschmuck aus Knochen und Bernstein,Knöpfe, Scheiben, Ringe und anderes. Übrigens rückt das Vorkommen von Metallgeräten indiesen Gräbern ihr Alter immer in eine ziemlich späte Zeit herab.
Eine weitere Gruppe von Überbleibseln der vorgeschichtlichen Zeit, und zwar einer Periodederselben, in welcher die Tiere der Eiszeit teils schon ansgestorben, teils aber nach dem Nordengewandert waren, bilden die Pfahlbauten, welche auch jetzt noch, nicht nur bei sämt-lichen an Gewässern lebenden Naturvölkern fremder Erdteile, zu Wohnungen dienen, sondernauch in zivilisierten Gegenden in Bauten auf sumpfigem oder überschwemmtem Boden ihres-gleichen haben. Vorgeschichtliche Pfahlbauten wurden zuerst 1858 —1854 bei Meilen imZürichersee entdeckt, dann in den meisten übrigen Seen der Schweiz, am deutschen Ufer
Rekonstruktion einer Pfahlbau-Ansiedelung.
Nach dem Modell von Ford. Keller. (Berlin, Mark. Prov. Mus.)
des Bodensees, in den bairischen und österreichischen Seen, in den Elsterniedernngen beiLeipzig, in Pommern, Mecklenburg u. s. w. Es waren Hütten auf Querpfählen, die auf senk-recht in den Wassergrnnd eingetriebenen Pfählen von Holz ruhten, denen oft Faschinenwerkund Kiesanhänfungen zu Hilfe kamen. Oft bildeten sie ganze Dörfer, von denen aber nichts,was das Wasser überragte, erhalten geblieben ist. In diesen Pfahlwcrken wurden Geräte allerArt gefunden, in manchen, natürlich den älteren, bloß solche aus nicht metallischen, in anderenjüngeren auch solche aus metallischen Stoffen. Besonders charakteristisch sind die Steinbeileund Steinkeile („Kelte"), ein Universalwerkzeug, oft aus Nephrit und Jadeit, Mineralien, derenBezug man früher aus Asien hergeleitet, weil man sie nur dort einheimisch glaubte, welcheAnsicht aber durch sich mehrende Auffindungen derselben in Europa widerlegt ist. Man fandauch Schlittschuhe aus Tierknochen, Webstühle, Töpferwaren, znm Teil von recht hübscherAusführung, Handmühlcn, Korbgeflechte, Fischernetze, Getreide, Hülsenfrüchte, Brot, getrockneteFrüchte, Hirsch-, Wildschwein-, Auerochsen-, Ziegen-, Schaf-, Hunde- und andere Tierknochen,Geräte aus Hirsch- und anderem Horn, Waffen indes verhältnismäßig wenig.