Fünfter Abschnitt.
Das fränkische Reich unter den Merowingern.
is war eine merkwürdige Erscheinung, die sämtlichen Provinzen! des römischen Westreiches oder das ganze Abendland binnen!, weniger als hundert Jahren in germanische Reiche verwandelt; zu sehen. Auf die Dauer blieben sie das freilich nicht; es warnicht zu erwarten, daß es den kräftigen, aber noch ungebildetenSöhnen des rauhen Nordens gelingen würde, sowohl die Er-innerungen an die lange und zeitweilig so glorreiche Herrschaftder Cäsaren, als auch alles Stammcsbewußtsein der überwundenenVölker für immer zu unterdrücken. Ebensowenig aber war zuerwarten, daß sich jene urwüchsigen Wanderer in fernen undfremden, ungewohnten Klimate» von der Verweichlichung freizu-halten verstehen würden. Der letztere Umstand war in derThat, von den beiden anderen immerhin begleitet, der maß-gebende; denn je südlicher die eroberten Länder lagen, um soschneller gingen sie wieder verloren, — je nördlicher sie sich be-fanden, desto länger blieben sie germanisch. Das südlichste dergermanischen Reiche jener denkwürdigen Zeit, daS der Van-Jniticilbuchstabe m einer für Karl den d alen in Afrika, war das erste, welches unterging; dennKahlen geschriebenen Bibel aus der sein Klima paßte am schlechtesten für unsern Stamm. EineMitte des nennten Jahrhunderts. zweite Zone bildeten die Reiche der Westgoten in SpanienParis, Natwnalbibliothek. ^ der Ostgoten in I talien und Umgebung ; sie waren
die nächsten, die ihr Dasein verloren. Das dem letztem nachfolgende der Langobardenerfreute sich ebenfalls keiner langen Dauer. Länger behielt das Reich der Franken inGallien, samt dem in ihm aufgegangenen der Burgunder, seinen germanischen Charatter,aber das siegende Element war in den drei letztgenannten Ländern, mit Ausnahme ^der östlichenTeile des fränkischen Reiches, doch das romanische. Nur das nördlichste damals ene
Reich, das der Angelsachsen in Britannien, ist noch heute germanisch; es war übrigensdas einzige, welches die Deutschen nicht den Römern, die es bereits aufgegeben )a ^n ernseinen Urbewohnern, den Kelten, abnahmen. Auch die Religion war nicht o pie uifu Edas Schicksal dieser Reiche: die arianischcn unter ihnen gingen schne er zu ^ ^
katholischen oder katholisch gewordenen, weil ihre Glaubensrichtung unter der a eren undzahlreicheren Bevölkerung keinen Boden hatte, sondern schon vor der Ankunft der Erobererunterdrückt worden war; unter den katholischen Reichen aber dauerten Me langer deren Herrscherder Geistlichkeit keinen größern Einfluß im Staate zugestanden, als sich selbst, wie e» me West-goten in Spanien thaten.