Band 
Erster Band.
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Erstes Buch. V. Das fränkische Reich unter den Mero will gern.

Wie diese Reiche gegründet wurden, haben wir in der Entstehung derjenigen des gotischenoder ostgermanischen Stammes bereits erzählt; die weiteren Schicksale der letzteren müssen wirebenso übergehen wie die der angelsächsischen Reiche, da ihnen aller Zusammenhang mit Deutsch-land fehlt. Wir beschränken uns auf dasjenige Reich, welchem Deutschland in seinem Westenangehörte, nämlich auf das fränkische, berücksichtigen daneben aber auch das langvbardische,dessen Einrichtungen den deutschen am nächsten verwandt waren, und gedenken der übrigengermanischen Reiche jener Zeit nur gelegentlich zu Zwecken der Vcrgleichnng.

Die Franken erhielten in dem seit 481 in Flandern regierenden grimmen und tückischenChlodowech, dem Sohn des sälischen Gaukönigs Childerich, den ersten gemeinsamen König,der seine blutige Laufbahn damit begann, daß er die Neste der Römerherrschaft in Gallienvernichtete. Im Jahre 496 unterwarf er die Alamannen und wurde, nicht ohne langesWiderstreben, aber in der Hoffnung, mit der Hilfe des christlichen Gottes größere Siege zuerfechten als durch die der Äsen, wie auch durch die Einwirkung seiner burgundischen GattinCh rote Hilde, ein katholischer Christ — freilich nur dem Namen nach; denn der neue Glaubehinderte ihn nicht, durch Mord unter den übrigen fränkischen Fürsten aufzuräumen, um so dereinzige von ihnen zu sein. Die Westgoten trieb er aus Gallien; die Unterwerfung der Bur-gunder aber gelang erst (534) seinen Söhnen, unter welche er durch Teilung des Reiches (einealte Unsitte) einen Streitpunkt geworfen, der durch Geschlechter hin Blut in Strömen forderteund zuletzt den Untergang des Hauses der Merowinger verschuldete. Diese zu verschiedenenZeiten willkürlich vorgenommenen Teilungen des Reiches entsprangen der gänzlich nngermanischenAnsicht von einem Privateigentum an demselben; die verteilten Gebiete aber wurden ohne allesPrinzip bunt durcheinander geworfen und nichts weniger als organisch verbunden. Es solltedies die Einheit der Familie erhalten, rief aber im Gegenteil endlose Bruderkriege hervor, in denengrauenhafter Verwandten- und selbst Brudermord eine hervorragende Rolle spielte. Nur zweimal,unter den beiden Chlothacharen, war das Frankenreich auf kurze Zeit vereinigt; beide samtdem zwischen sie fallenden Chilperich, dem Manne Fredegundens, waren die furchtbarstenVerbrecher des dämonischen Hauses nächst dem blutigen Ahnherrn, denen indessen auch nochChlothachars II. Sohn Dagobert I. beinah' gleichkam. Unter den beiden letztgenannten Königenerlebte (seit 611) das Frankcnrcich äußerlich seine höchste Blüte; es umfaßte außer Frank-reich die Niederlande, West- und Süddeutschland, die Schweiz und Teile Österreichs und Italiens,auch fielen jetzt keine Bruderkriege mehr vor; aber nach Dagoberts Tode (638) begann dasElend derselben von neuem unter der Gestalt alles verheerender Bürgerkriege zwischen denrühm-, hab- und eifersüchtigen Großen zu wüten, und die Merowinger sanken von Ungeheuernzu Tröpfen herab, die sich von ihren „Hausmeiern" heherrschen ließen, in welchem Amte endlichdie zweite Dynastie des Reiches, die der Karolinger, den Alleinbesitz und durch diesen seit752 auch die ihr gebührende Krone errang. Damit aber war das Frankenreich aus dem durchdie große Völkerwanderung geschaffenen Zustande in eine neue Phase getreten, die nun auch zueiner neuen Verteilung der Machtverhältnisse in Europa führte. Für uns ist das wichtigsteMoment dieses neuen Staatenlebens dasjenige des allmählichen Hervortretens Deutschlandsals eines selbständigen Landes.

Die Rolle, welche Deutschland einst spielen sollte, war durch den Umstand bestimmt,daß sein westlicher Teil, der damals allein deutsch bevölkerte, zu Anfang des sechsten Jahr-hunderts unter das fränkische Reich gekommen war. Entscheidend war für dieses Ergebnis dieUnterwerfung des den Kern Deutschlands bildenden Thüringerreiches, das von der Leinebis an die Donau und von der Weser bis zur Elbe reichte; die Söhne Chlodowechs, besondersTheoderich von Austrasien, vernichteten dasselbe (531) mit Hilfe der Sachsen; der letzteKönig Hermenefrid wurde meuchlings ermordet. Auch die Baiern standen mit ihren Her-zogen aus dem Hause der Agilolfinger unter der fränkischen Oberherrschaft und dies schonseit dem Sturze des Ostgotcnrciches, ja selbst die Sachsen zahlten Tribut an die Franken. Eswar dies nicht zu vermeiden in einer Zeit, da die Slawen im Osten und die hunnenähnlichenAwaren von Ungarn her stets mit Einbrüchen drohten, zu deren Abweisung man der fränkischenWaffen bedurfte. Um diesen Preis mußten sich die Deutschen auch der fränkischen Grausamkeit