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Erster Band.
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Erstes Buch. V. Das fränkische Reich unter den Merowingern.

den „Waffenschrci" auch die Unfreien erscheinen. Arme wurden oft oom Kriegsdienste, nichtaber von Arbeiten zu Kriegszwecken befreit.

Mit dem Wegfallen der Volksversammlungen verlor der Stand der Freien an Be-deutung, und durch die Organisation der neuen Reiche wuchs die Macht des dem Könige unddamit auch dem Staate unentbehrlichen Dienstadels so sehr an, daß die Kluft zwischen diesenneuen Uobilss und den gewöhnlichen Freien beinahe so groß wnrde wie die zwischen denletzteren und den Unfreien. Altadelige scheinen noch mit in die neuen Reiche eingezogen,hier aber ausgestorben oder vom neuen Adel aufgesogen, in den Hintergrund gedrängt oderendlich infolge kräftigen Entstehens für die alte germanische Sitte und Verfassung gegen denzunehmenden fürstlichen Absolutismus von dessen Trägern und Dienern gewaltsam vernichtetworden zu sein. Zu allererst geschah dies bei den Franken. Bei den Sachsen erhielt sich deralte Adel am längsten; bei den Baiern gab es außer dem Herzogshanse der Agilolfinger nurfünf altadelige Geschlechter. Das Christentum machte ohnehin die Abstammung von den Göttern,deren sich der alte Adel gerühmt hatte, sinnlos, und dazu kam, daß auch bei den besiegtenRomanen ein Adel, die sogenannten scnatorischcn Familien, vorgefunden wurde, also auch einDienstadel, der aus Ämtern und Grundbesitz beruhte, nicht weniger aber auch auf Bildung,daher namentlich die Bischöfe aus ihm hervorgingen.

Durch die Macht und das Ansehen dieser Leute wurden natürlich die Gemeinfreie n,denen es nicht gelang, mit oder zu ihnen aufzusteigen, immer mehr heruntergedrückt, undzwar nicht nur zur politischen Rechtlosigkeit, sondern sogar zur Unfreiheit. An die Stelle derFreiheit trat der Reichtum. Die Reichen erhielten die Titel: Erste, Beste (primi, oxUnmtss) oderEhrbare, Mächtige (Non68tiore8, xotontiorss) u. s. w.; die nicht so Glücklichen hießen: Mittlere(msäiani, msäioorob), die Armen endlich: Niedrige, sogar Schlechte llmmilior68, vils8) u. s. w.

So wurden die reichen Freien immer mehr zu neuen Edlen, die armen aber zu Unfreien,und es kam sogar so weit, daß die unfreien Diener angesehener Herren mit mehr Gewichtauftreten durften, als arme Freie. Die Freien aber, welche es blieben und sich mit StolzRachinburgen oder schlechtweg Franken nannten, waren nicht die Elemente, diesen trübenGang der Dinge aufzuhalten, gegen den umsonst auch einzelne tüchtige Könige ankämpften.Er lag in der Zeit und war nicht zn ändern. Allerdings dauerte die alte Freilassung fort,aber sie verschwand gegenüber der riesig anwachsenden „Verknechtnng".

Zwischen Freie und Unfreie trat nnn der Stand der Halb freien, Leiten, Lazzen,Laten oder Liten, auch Hörigen, in Baiern Barschalken, in Italien Aldivncn. Sie warenpersönlich frei und konnten daher, wenn auch an die Scholle gebunden, nicht mit dieser ver-äußert werden. Sie zahlten neben dem Gntzinse ein Kopfgeld, folgten dem Herrn in denHeerbann; ihr aus heruntergekommenen Freien und Freigelassenen bestehender Stand war erblich.Es gab aber zwei Arten von Freilassung; durch die eine wnrde der Unfreie zum Halbfreicn,durch die andere der Lite, indem er seinem Herrn vor dem König einen Denar als Loskaufs-betrag anbot, jener ihm aber denselben aus der Hand schlug, so daß er auf die Erde fiel(„Schatzwnrf"), zum Vollfreien.

Die Unfreien endlich waren die Arbeiter der Vvlkerwandernngsreiche, Bauern, Hand-werker und kleine Krämer, sowie Dienstboten aller Art. Unter ihnen befanden sich viele imLande gebliebene unfreie Romanen und gefangene Slawen, nach welchen letzteren bei denmeisten europäischen Völkern die Sklaven überhaupt benannt wurden. Von ihrem Herrn er-hielten sie zur Benutzung Land oder ein kleines Kapital (psoulinm), das jener zu jeder Zeitzurückziehen konnte, jedenfalls aber nach dem Tode des Nutznießers an sich nahm; sie konntenstets „mit oder ohne Scholle" verkauft oder vertauscht werden. Die Behandlung der Un-freien entsprach je dem Charakter des Herrn, war aber öfter eine schlechtere als in älterer Zeit.Daher war es in der uns beschäftigenden Periode nicht selten, daß Sklaven ihren Herrn er-schlugen und noch häufiger, daß sie entflohen. Großes Verdienst um die Verbesserung derLage der Unfreien hat sich die Kirche erworben, welche selbst deren so viel besaß, daß daskleinste Gotteshaus ihrer nenn hatte; sie erkannte die Ehen der Unfreien gleichwie die derFreien an und wirkte namentlich wohlthätig durch das Verbot des Verkaufs von Christen an