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Erster Band.
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Erstes Buch. VI. Die Kultur iu deu Reichen der Merowinger.

Gewaltthaten verhindert wurden. Die durch solche Verhältnisse herbeigeführte Rat- und Hilf-losigkeit vieler hals vornehmlich die erwähnte Abnahme des Standes der Freien befördern.Weiteres trugen dazu die durch den Kampf gegen wilde Tiere und Räuber, durch die Frohndenbei dem Baue öffentlicher Wege und Brücken, durch die Waffenpflicht im Kriege und durchdie viele Tage dauernden Dingversammlnngen im Frieden hervorgerufenen Zeitversänmnisse undAbhaltungen von der Arbeit bei, während die Geldbußen und reicher Kindersegen den Besitzverminderten. Was aber die Arbeit noch zu stände brachte, das verwüsteten die zahl- nndendlosen Kriege wieder, sowohl Einfälle äußerer Feinde, wie die blutigen Bürgerkriege,besonders im Frankenreiche. Ja, es bedurfte nicht einmal dessen; nicht nur ausziehende Heereverwüsteten das eigene Land, sondern selbst mitten im Frieden verheerte der Übermut derfränkischen Großen und ihrer Krieger das Land durch Plünderung nnd alle Greuel, die sonstnur der Krieg kennt. Solches geschah z. B. bei Anlaß des Brautzuges von König Chilperichs

Tochter Rigunthis nach Spanien, wohinsie freilich nicht gelangte, da sie von ihreneigenen Leuten verlassen nnd ausgeplündert,das Land aber von ihnen verwüstet wurde.Nicht zum wenigsten waren es auch dieunerschwinglichen Geldbußen, beziehungsweisedie Folgen ihrer Nichtbezahlung, welcheden Gemeinfreien zu Grunde richteten. Esentstanden große Grundherrschaften (Lati-fundien), wie schon früher in Spanien,Italien und Südgallien, so nun auch imnördlichen Frankenreiche und in: altenDeutschland, wo sich die älteren germanischenVerhältnisse weit länger erhielten, die reichenLeute aber und die Klöster und Bischöfeebenfalls nach nnd nach mit ihren größerenBesitzungen immer mehr um sich griffen;ganze Dörfer nnd Markgenossenschaftengingen in ihnen auf. Oft wurden denArmen gewisse Vergünstigungen bewilligtund dann hinterher dafür Gegenleistungenverlangt, die nicht abgetragen werdenkonnten. So wurden notgedrungen diefreien Männer zu Hintersassen; teilswirtschaftliche Not unter weltlichen, teilsFrömmigkeit unter geistlichen Herren hatten

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Germanische Trachte».

Etwa vom fünften bis achten Jahrhundert. Aus den Darstellungen derBibel von St. Paolo in Rom. (Nach Lindenschmit.)

ihre alte Freiheit aufgezehrt. Die Hintersassen mußten ihrem Grundherrn (ssnior) Naturalienabliefern: Zinswein, Zinskorn, Zinshühner, Zehnten und Grundzinse, oder Frondienste mittelsgewisser Arbeiten leisten. Jagd und Fischfang n. s. w. gehörten dem Herrn, und bald nochmehr, — ja zuletzt fast alles, was seine Gnade nicht den Bauern ließ. Jede Markgenossen-schaft, die nicht frei blieb, wurde zu einem Komplexe höriger Dienste. Der Grundherr,der über Hunderte bewaffneter Knechte verfügte, wurde zuerst Schiedsrichter nnd dann volleBehörde seiner Untergebenen, die infolge ihrer Abhängigkeit sich seinen Sprüchen nicht mehrentziehen konnten. Seine „Vögte" nnd „Meier" wurden wichtige Personen, die ihren Einflußoft genug zur Ausbeutung der Armen mißbrauchten.

So entstanden mancherlei Verhältnisse der Abhängigkeit, die jedoch von der Unfreiheitverschieden waren. Der Abhängige hatte dabei auch ein Recht auf den Schutz seines Herrn,nicht nur dieser auf die Macht über jenen. Das Verhältnis war bald mit Landverleihungverbunden, bald nicht. Der letztere Fall betraf die Freigelassenen nnd die, welche sich frei-willig, aus Not oder anderen Gründen in den Schutz des Königs, der Großen oder der Kirche