Juden, Ketzer, Schwärmer und Einsiedler.
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Zu solchen Zuständen paßten der damals herrschende Aberglaube und das Auftretenreligiöser Schwindler. Es wimmelte von Wahrsagern und Wahrsagerinnen, man achteteaus den Angang (s. oben S. 4V), den Vogelflng und ähnliches, und schloß daraus auf dasKommende; man hielt Naturereignisse stets für Vorbedeutungen auf künftige Vorfälle; in wichtigenFällen schlug man heilige Bücher auf, um daraus Orakel zu schöpfen; Ränke und Verbrechenleitete man regelmäßig vom Teufel ab, während man in dem, was günstig und befriedigenderschien, ebenso unfehlbar ein Wunder erblickte. Auch Verfolgungen sogenannter Hexen kamenschon vor. Den Reliquien schrieb man die erstaunlichsten Wirkungen und den fränkischenKönigen, ja sogar Abschnitzeln von ihren Kleidern Heilkraft in Krankheiten zu. In Toursund anderen Orten traten damals Abenteurer auf, welche mit dem Himmel in Verbindung
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Vornehme Frauen und Geistliche im neunten Jahrhundert.
Miniature in einer für Karl.den Kahlen in der Abtei St. Martin zu Tours geschriebenen Bibel. Paris, Nationalbibliothek.
Das Miniature stellt den heiligen Hieronymus dar, wie er der Paula und anderen vornehmen Frauen die heilige Schrift erklärt. —Der Heilige ist in das Kostüm der Stiftsherren von St. Martin zu Tours, Meßgewand, Chorhemd und lange Tunika, gekleidet. Erwendet sich vier Frauen zu, die mit ihm auf derselben mit Polstern belegten Bank sitzen, und führt mit ihnen ein Gespräch über dieheiligen Schriften, welche sie in den Händen halten oder ausgebreitet vor sich liegen haben; die, zum Teil goldgestickten, Schleier aus-genommen, haben die Gewänder der Frauen große Ähnlichkeit mit denen der Männer. Hinter dem heiligen Hieronymus sitzen zweimit Schreiben beschäftigte Mönche. — In der Bank erkennt man bereits den Typus jener langen Bänke, welche im Mittelalter dieganze Lange einer Zimmerwand einnahmen. — Das turmförmige Möbel rechts ist als ein Fachschrank für Bücher und als Pult zubetrachten. Dies Möbel kommt bis ins zwölfte Jahrhundert vor; es schloß einen drehbaren Cylinder ein, auf den die Pergament-streifen, auf welche man schrieb, aufgerollt waren, und wurde armarium genannt. — Die verschiedenen Arten des Äußeren früh-mittelalterlicher Bücher werden durch dieses Miniature getreu veranschaulicht: in länglichen und in quadratischen Blättern, eingebunden,wie unsere Bücher, und zu Rollen, die durch schmale aneinandergenähte Streifen gebildet werden, aufgewickelt.
zu stehen und alle Übel hellen zu können vorgaben; die Zeitgenossen witterten aber auch inihnen den Teufel.
Mit dieser Geistesrichtung berührt sich das in jener Zeit zunehmende Kloster - undEinsiedler Wesen und die Askese. Von Anachoreten wurden Wunder des Gebetseifers,der Selbstquälerei nach indischer Art, der Enthaltsamkeit, der Heilkraft und der Prophetengabeberichtet und geglaubt, — aber man meinte auch, daß solche Leute vom Teufel versucht undbesessen wären. Selbst Könige endeten als Mönche und Eremiten. Man pilgerte häufig nachRom und anderen Wallfahrtsorten, oft freilich nur unter frommen Vorwänden.
Begünstigte auch die Kirche solche Übertreibungen des Glanben»eiserv, so ist doch ausder andern Seite anzuerkennen, daß sie, tote sie allein das Los der Leibeigenen milderte, es