Die karolin zischen Haus meier.
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ihres Volkes und ihrer Zeit, haben sich die Karolinger, wenigstens ihre älteren Ge-schlechtsfolgen, dennoch in viel höherm Grade altdeutsche Tüchtigkeit und Kraft zu bewahrengewußt und sich weit mehr von Ausschweifungen der Wollust und Grausamkeit freigehaltenals die meisten übrigen Franken, namentlich aber als die immer tiefer sinkenden Merowinger,bei denen die dämonische Hinterlist eines Chlodowech und Chilperich zuletzt in willenloseGeistesschwäche ausgeartet war.
Für die Karolinger aber galt es, eine doppelte, sehr schwierige Aufgabe zu lösen,nämlich zuerst die Säuberung des Hausmeiertnms von jenen Greueln, die leider dem frän-kischen Adel seit seiner Niederlassung in Gallien überhaupt anhafteten, und sodann dieWiederherstellung des Königtums, welches zu einer Karikatur seines wahren Wesens herab-gesunken war. Pippiu der Mittlere, der 687 durch den Sieg bei Testri die Anarchieniederwarf, vereinigte sowohl in seiner kräftigen Hand das ganze, so lange zersplitterte Franken-reich, wie in seiner Person die Erbschaft der zwei begabtesten Hausmeierfamilien; von seinemmütterlichen Großvater, dem ältern Pippiu, war auf sein Geschlecht die Thatkraft, vondem väterlichen, dem heiligen Arnulf, Bischof von Metz, die wachsende Hinneigung zurHumanität, Zivilisation und Bildung übergegangen. Die britischen Glaubensboten hatten nichtumsonst gewirkt; es war ihnen gelungen, unter den Franken der Überzeugung Bahn zu brechen,daß die Sorge für das allgemeine Wohl höhcrn und reinern Gewinn bringe, als das roheRingen nach dem Besitze der Gewalt, und daß zu dem wahren Wesen des Christentums Mildeund Menschenliebe ebenso notwendig gehören, wie Blutgier, Hab-, Herrsch- und Genußsuchtdavon ausgeschlossen sind.
Es war daher bezeichnend, daß Pippin als mächtig gebietender Regent des fränkischenReiches zugleich die bereits zerbröckelnde Einheit desselben herstellte und durch seine siegendenScharen in den ostrhcinischen Landen der Verbreitung des Christentums, namentlich unter denFrisen, den Weg bahnte. Ebenso bezeichnend aber war es, daß Pippin das Amt desHansmeicrs erblich machte, und zwar ganz in derselben Weise wie die königliche Würde, sodaß es gewissermaßen ein zweites Königtum darstellte. Unter seinem Sohne Karl, welcherdasselbe nach harten Kämpfen behauptete, tritt Deutschland zum erstenmal in bedeutsamemUmfang an das Tageslicht der Geschichte, und es ist gewiß ein schönes Zusammentreffen, daßjener tüchtige Fürst, unter welchem dieses geschah, sich durch einen der glorreichsten Siegeeinen Beinamen erkämpfte, der an die zermalmende Waffe des eigentlichen altgermanischenVolksgottes, an den Hammer Thors, erinnert. Karl Martell verdanken wir es, daßMitteleuropa von dem Schicksale zweier Halbinseln unseres Erdteiles verschont blieb, nämlich,wenn auch nur vorübergehend, unter die Herrschaft einer fremden Rasse zu fallen, welcheallerdings in Spanien eine Zeitlang Kulturleistnngen auszuweisen hatte, die zwar glanzvoll,aber nicht für die Dauer geschaffen waren, weil sie auf einen: der Art ihres Volkes fremdenBoden entsprossen waren.
Was den Arabern in dem ihren afrikanischen Provinzen in mancher Beziehung so ähn-lichen Spanien gelang, das, glaubten sie, müsse auch jenseits der Pyrenäen gelingen. Aber siehatten die Berechnung gemacht, ohne die starke Kraft der Franken auch nur zu ahnen. Karlder Hammer schlug die Eindringlinge 732 zwischen Tours und Poitiers derart, daß sie dieGrenzen ihres Vordringens erkennen lernten. Mitteleuropa war gegen Westen gesichert; 951Jahre später erst thaten in: Osten Karl von Lothringen und Johann Sobieski, was Karl derPippinide in: Westen vollbracht hatte, dessen Werk indessen erst 27 Jahre nach der Riesen-schlacht durch die völlige Verjagung der Asiaten und Afrikaner aus den Frankenlanden voll-endet ward. Es konnte seit Karl Martell (f 741) nur noch eine Frage der Zeit sein, daßdie Karolinger den Merowinger:: im Königtum folgen würden, und es war dahe: dieThronbesteigung Pippins des Jüngern (den man später aus Mißverständnis den Kleinenoder Kurzen nannte), bald nach der Mitte des achten Jahrhunderts, lediglich die letzte stufedes Emporklimmens seines Geschlechtes zum Besitz der höchsten Macht.
Die altgermanische Erhebung des neuen Königs auf den Schild war das entscheidendeMoment bei dem Übergänge des Thrones von der alten Dynastie an die neue, woraus dann