Karolingische Sagen.
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fettigen Verhältnisse keinen kritischen Maßstab anlegten, und soweit sie die Ereignisse nicht selbsterlebten, sich über dieselben fälsche Vorstellungen bildeten oder einreden ließen. So konntensich damals Sagen über angebliche historische Thatsachen bilden, die, wenn sie wahr wären,weltumgestaltend hätten wirken müssen, während doch kein wahres Wort daran ist. So berichtenz. B. zwei Geschichtschreiber, es Hütte sich in: Jahre 588 die Gattin des „Kaisers Arnulf" (!)twn Persien, namens Cäsara, in Konstantinopel zum Kreuze bekehrt und ihr Gatte, umihre Heimkehr zu bewirken, sich ebenfalls mit 60 000 seiner Unterthanen in Antiochia durchden Bischof Johannes von Konstantinopel taufen lassen, den byzantinischen Kaiser Mauritiuszum Paten erhalten und dann durch griechische Bischöfe sein ganzes Volk zum Christentumsgeführt. Sodann entstand, wahrscheinlich aus übertriebenen Berichten von Karls Feldzug inSpanien und seinem Verkehre mit Harun, die Sage, der große Kaiser habe einen Zug nachdem heiligen Lande unternommen und in Jerusalem eine freundschaftliche Zusammenkunft mitHarnn („Aaron") gehabt, mit dem er eine Reise nach Alexandria in Ägypten gemacht habe;dann sei er über Konstantinopel, wo er Reliquien erhalten, nach Rom und von da nachHause zurückgekehrt! So erzählte um das Jahr 1000, aber doch wohl nach schon bestehenderSage, der römische Mönch Benedikt, indem er in seinen Bericht Stellen aus EinhardsLeben Karls wörtlich einflocht.
Hat aber auch Karl der Große keinen „Krenzzng" unternommen, und war die Sage voneinem solchen nur ein symbolischer Ausdruck für seine wirklichen Leistungen, so hat er dochdem Mittelalter sein Ideal, die einheitliche Spitze des Reiches und der Kirche, geschaffen;freilich ein Ideal, das wie jedes andere niemals verwirklicht worden ist. Ihm selbst schwebtedasselbe nicht vor. Das Kaisertum war für ihn nur eine Art religiöser Weihe, eine Stützeund ein Schmuck des fränkischen Königtums; er verband damit noch keine weltbeherrschendePläne. Sein ganzes Wesen war praktisch und sein Streben lediglich auf das Erreichbaregerichtet, und dies erblickte er in der Machtvollkommenheit seines Willens, dem sich allesbeugen mußte.