Das Zeitalter Ludwigs des Frommen.
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katholische Lehre, soweit sie dem Volke verständlich sei, über die Belohnung der Guten und dieBestrafung der Schlechten, über die Auferstehung und das letzte Gericht, sowie über die Werkewelche die Seligkeit erwerben oder von ihr ausschließen. Den Laien schrieb Karl schon 801bei Leibesstrafe vor, das Vaterunser und Glaubensbekenntnis zu lernen, — freilich ohne durch-gängigen Erfolg. Endlich wurden die Bischöfe auch dazu angehalten, die Predigten der Kirchen-väter ins Deutsche zu übertragen.
National gemischte Staaten sind jedoch nur unter ganz eigenartigen Verhältnissen dauerndmöglich. Solche Verhältnisse aber waren im fränkischen Reiche nicht vorhanden. Der Ostendes Reiches war mit alleiniger Ausnahme der slawisch-awarischen Grenzen und des GauesChurwalchen (jetzt Kanton Graubünden), eines Teiles des alten Rätien, durchaus deutsch; imWesten dagegen fügten sich die wenig zahlreichen Germanen immer mehr der romanischen Spracheein, welche im Nordwesten sich mehr dem Deutschen anlehnte und nach dem herrschenden Volkespäter den Namen der französischen (frankenähnlichen) Zunge erhielt, im Südwesten aber reiner„romanisch" blieb und darum auch romanisch, später Proven^alisch hieß. In der Mitte endlich,in den linksrheinischen Landen, bildete sich die Sprachgrenze zwischen germanisch und romanischimmer schärfer heraus. Es war daher eine Frage der Zeit, ob die beiden Gruppen genug Selbst-bewußtsein haben würden, um ein eigenes Leben zu beginnen und sich voneinander, und vonder dritten Gruppe, dem Italienischen im ehemaligen Langobardcnreiche, auch staatlich zu trennen.Diese Scheidung nahm thatsächlich unter der schwachen Regierung des Sohnes Karls desGroßen, Ludwigs des Frommen, des letzten Monarchen, der das fränkische Reich in mehr alspersonaler Union unter sich vereinigte, ihren Anfang. Obschon als Titularkönig von Aquitanienherangewachsen und kriegerisch erzogen, zeigte Ludwig schon früh kirchliche Neigungen undStimmungen; ja er wäre lieber Mönch geworden als König, wenn nicht seines Vaters festerWille ihn dazu gezwungen hätte. Als Herrscher zeigte er daher eine unbedingte, fast krankhafteHingebung an geistliche Dinge und Personen, denen er sich ebenso willig unterwarf, wiesein Vater sie beherrscht hatte. Dieser Charakterzug hatte nun freilich auch insofern eine günstigeFolge, als der neue Kaiser und König sofort mit den leichtfertigen Elementen anr Hofe auf-räumte ; ihre Ersetzung durch Mönche führte jedoch zu einem anderen Extrem. Sogar schuldloseFreunde Karls wurden vom Hofe verbannt; mit der Pflege der Wissenschaft und der Landes-sprachen an demselben war es vorbei. Wahrscheinlich sind unter Ludwig die von seinem Vatergesammelten Denkmäler der heimischen Dichtung für immer vernichtet worden. Das romanischeWesen und die lateinische Sprache wurden unter ihm in jeder Hinsicht bevorzugt. Der Staaterschien auf allen Gebieten wie gelähmt, und nur die Kirche erfreute sich der königlichen Pflege;es fehlte überall an Thatkraft und schöpferischen Gedanken, und — das Kaisertum beugte sichvor dem Papsttum. Ludwigs Geschichte und die seiner Söhne und Enkel ist daher eine unsäglichtraurige und für die Entwickelung der Kultur fast unfruchtbare. Sie zeigt nur, wie die kirch-liche Frömmigkeit den Verrat der Söhne, die Mißhandlung des Vaters unter päpstlicher Bei-stimmung und blutige, das Reich verheerende Bruderkriege nicht zu verhindern vermocht hat,und wie die Karolinger zuletzt ebenso rühmlos endeten wie die Merowinger. Durch dieseBruderkriege sind Deutschland und Frankreich nicht nur selbständige Staaten geworden, sondernes wurde auch zugleich (843 durch den Vertrag von Verdun) mittels der Schöpfung desnach seinem Besitzer Lothar benannten, unnatürlicherweise mit Burgund und Italien verbun-denen Reiches Lothringen (damals fast das ganze linksrheinische Land von der westlichenSchweiz an bis Holland umfassend), ein tausendjähriger Zankapfel zwischen den Mächten desOstens und Westens geschaffen.
Diese Thatsache der Trennung Deutschlands vom westlichen Frankenreiche erhält eine klareBeleuchtung durch die Eide, welche 842 zu Straßburg die beiden Verbündeten Ludwig derDeutsche und Karl der Kahle sowie ihre Heere einander in altdeutscher und romanischer (alt-sranzösischer) Sprache schwuren. Jeder der beiden Fürsten schwur in der Zunge der Unterthanendes andern, und die Völker beider bekräftigten den Eid in ihrer heimischen Sprache.
Unter Ludwig dem Deutschen zeigte sich Deutschland zum erstenmal als selbständigerStaat, führte aber diesen Namen noch nicht und galt noch immer als Bestandteil des thatsächlich