Waltharius. Ludwigslied. Muspilli. Wessobrunner Gebet. Heliand.
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nicht der einzige wandernde Spielmann seiner Zeit, der über den im Jahre 881 bei Sanconrterfochtenen Sieg des westfränkischen Königs Ludwig III. über die Normannen jenes Lied sang,welches einen der ersten Versuche in deutscher Sprache bildet, statt des bis dahin herrschendenStabreimes den Endreim anzuwenden. Derselbe ist jedoch noch keineswegs rein, sondern bleibtmeist bei der Assonanz stehen, — ein Notbehelf, über welchen jenes Jahrhundert überhaupt nochnicht hinauskam. Manche jetzt verlorene Nibelungen- und Dietrichslieder mögen ähnlich ge-klungen haben, wie das sogenannte Ludwigslied:
was ZisnnAan, Sang ward gesMMN,
rvas di^uiinsii, Kampi ward begonnen,
dluot skein in WSNAON, das Blut stieg in die Wangen,. spilueinn tbar b>g,nlcon. es jauchzten auf die Franken.lNbar vakt tke^enoZelik Da focht degeugleich»Mein soso liluNwig, keiner so wie Ludwig,snol incki Kilo»!, tapfer und kühn,
tbaü rvus iino gewinn!. wie ihm angeboren war.
8umun iknrukskluog bor, Diesen durchschlug er,so IN an tknrnkstaek wer ; jenen durchstach er:ker skanotg. oe Kanton er schäukte zu Handen
sinan Kanton seinen Feinden
bitteres liäes, bittern Weiu.
so rvtz bin biotkes libes. Wehe ihrem Leben!gilobet si tkin goäes leratt; Gelobt sei Gottes Kraft,Hknäwig rvartb sigkakt. Ludwig wurde sieghaft.
Neben der Feier des weltlichen Heldenmutes, der in den alten Sagen die Hauptrollespielt in Bezug auf die Zeitereignisse, lag die Anerkennung desselben auch auf kirchlichemGebiet sehr nahe. Waren ja doch die geistlichen Angelegenheiten für die noch jungen Christendie herzbewegendsten und tiefstcrgreifenden, an denen noch weitere Kreise einen innigeren Anteilnahmen, als an denen des staatlichen Lebens nnd der Kriege! Waren ja doch auch dieHeiligen und Märtyrer Helden, die für ungleich höhere Ziele ihr Leben in die Schanzegeschlagen nnd ihr Blut vergossen hatten, als die tapfersten Paladine. War doch Christus derhöchste König, vor dem die Fürsten der Erde, die mächtigsten nicht ausgenommen, im Staubelagen! So wurden manche Heiligengeschichten im Stile wahrer Heldcngcschichten erzählt; wirerinnern nur an das reckenhafte Umherirren Sturms, des Stifters von Fnlda (oben S. 116).Neben dein Andenken an die Helden der heidnischen Sagenwelt lebte aber auch noch dasjenigean deren religiöse Vorstellungen vom Anfang und Ende der Dinge. Ganz ähnlich, ja teil-weise mit denselben Worten wie die nordische Edda malen das „Wessobrunner Gebet"den Zustand des Chaos vor der Schöpfung und das unter Karl dem Großen entstandeneGedicht Muspilli den Weltuntergang aus, dem es sogar den heidnischen Namen (vonMuspelheim, dein Feuerland) läßt, nur daß es an die Stelle der Äsen und der Jötunnen denPropheten Elias und den Antichrist setzt. Diese Gedichte, jenes kurze und dieses längere,beide in Baiern entstanden, stabreimen noch, und dieselbe Schmuckform dichterischen Schaffensbelebt auch noch die unter Ludwig dem Frommen gedichtete altniederdeutsche (altsächsische)„Messiade", „Heliand" genannt (nicht in dem Werke selbst, sondern erst in neuester Zeit).Dieses umfangreiche christliche Epos, welches Christus wie einen königlichen Helden und seineJünger wie dessen Gefolge behandelt, stand zu seiner Zeit einzig in seiner Art da. Es rührtohne Zweifel von einem sächsischen Geistlichen her, dessen Name unbekannt blieb, und der nochin seltsamer Weise zwischen altgermanischem Trotz und christlicher Demut schwankte. In oftauffallender Weise verleugnet er das Extrem der letzteren; er will nichts von dem Darbieten derWange zum Schlage wissen, er sieht das Abendmahl wie ein Heldengastmahl an, er verweiltmit Behagen bei des Petrus Schwertstreich gelegentlich der Gefangennahme Jesu und schont dieheidnischen Vorstellungen, soviel er nur kann. Im übrigen kann der Heliand auf Ursprüng-lichkeit keinen Anspruch machen; er ist durchaus abhängig von seinem Stoffe, der Evangclien-geschichtc von der Verkündigung der Geburt bis zur Himmelfahrt Jesu. Auch das epischeVerdienst aber, das er unbestreitbar hat, geht seinem süddeutschen Gegenbilde, dem denselben^toff behandelnden, spätestens 868 vollendeten und Ludwig dem Deutschen gewidmeten „Kristdes Weißenbnrgcr Mönches Otfrid fast gänzlich ab. Neben fränkischem Patriotismus ist e»jedoch ein duldsamer, ein weder pfäffischer noch abergläubischer Geist, und namentlich eine un-gemcin melodische Sprache, was diese Evangelienharmonie, die in bewußter Opposition gegen dieheidnische Dichtung steht, hoch über den mönchischen Standpunkt ihrer Zeit erhebt. Es ist keinvolkstümliches Buch, wie der Hcljand, sondern ein gelehrtes, wie dies auch die lateinischen