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Erstes Buch. IX. Die Trennung Deutschlands voin Franke »reiche. -
Überschriften, die akrostichischen Spielereien am Anfang und Ende und zahlreich eingestreutetheologische Erörterungen erweisen. Dagegen darf -Otfrid wohl als der Begründer der deutschenReimstrophe angesehen werden.
Nimmt man nun, und zwar mit Recht, an, daß die genannten Erzeugnisse althvch- undaltniederdeutscher Litteratur im nennten Jahrhundert nicht die einzigen ihrer Zeit gewesen sind,sondern daß sie noch diele Geisteswerke lieben sich hatten, die nicht auf uns gekommen sind, sodürfen wir in jener Zeit füglich eine erste, freilich noch kärgliche Blütezeit deutschen Schrift-tums erblicken; dagegen ist in den zwei folgenden Jahrhunderten leider eine vollständigeUnterbrechung des geistigen Schaffens zu beklagen. Die zunehmende Macht der Kirche hat imzehnten und elften Jahrhundert nicht nur bei den Deutschen, sondern bei sämtlichen Völkern desAbendlandes eine Vernachlässigung des schriftlichen Ausdrucks in den heimischen Sprachenbewirkt und eine absolute Alleinherrschaft der lateinischen Sprache herbeigeführt, welcheglücklicherweise niemals wiedergekehrt, sondern vielmehr stufenweise und allmählich wiederzurückgegangen ist. Den Römern war es im größten Teile Deutschlands nicht gelungen, ihrelegantes und klassisches Idiom zur Geltung zu bringen; der katholischen Kirche aber gelanges, ihrem verdorbenen Latein über ein Vicrteljahrtansend lang die sprachliche Alleinherrschaft zusichern. Diese Thatsache begründet indessen keine Jnferiorität des Abendlandes in der erstenHälfte des Mittelalters, wie sie dem gleichzeitigen christlichen und islamitischen Mvrgenlandegegenüber oft behauptet worden ist, in welchem in ähnlicher Weise die griechische und diearabische Sprache allein herrschten, — nein; auch für Deutschland nicht! Denn ward auch dieLitteratur unsres Landes von der letzten Zeit des neunten bis zur Mitte des zwölften Jahr-hunderts ausschließlich in einer entarteten Form der Sprache Roms niedergelegt, so ging siedoch von echten Deutschen aus, schuf viele bedeutende und anerkennenswerte Werke und standnicht etwa allein im Reiche der Geistesknltnr da, sondern war auch mit einem wenn schonbescheidenen, so doch anregenden und viel versprechenden Anfange der Entwickelung deutscherKunst verbunden.
Am unumschränktesten aber war die Macht der römischen Kirche und daher auch die ihrerSprache natürlicherweise zu der Zeit, da sie ihre Herrschaft über das gesamte Abendland, dasheißt über den ganzen, nicht griechisch-katholischen Teil Europas ausgedehnt und in diesenLanden noch nichts von ihrem Nimbus eingebüßt hatte, auch von Sekten und „Ketzereien"noch nicht durchsetzt war. —
Ihren Abschluß nahm die Ausbreitung des Christentums über das Abendland in derRichtung nach Nordosten, da jede andere entweder auf bereits bekehrte oder auf feindliche(griechische oder islamitische) Völker gestoßen wäre. Die Taufe der Sachsen war der erste Schrittin jener Richtung; sie hat die Christianisierung Deutschlands, soweit dies damals überhaupt deutschwar, vollendet, und von hier aus ging der Strom der Bekehrung unaufhaltsam weiter zu denVölkern des skandinavischen Stammes und der slawischen Rasse, um von dieser aus dannspäter noch die europäischen Finnen in den Kreis der abendländischen Kultur einzuschließen.Denn es ist hoch anzuerkennen: diese einheitliche Kultur ist hauptsächlich vvm Christentum, undzwar in der Zeit vor den Kreuzzügen vom römischen Christentum geschaffen worden; aus-gebildet mußte sie allerdings durch andere inzwischen mächtiger gewordene und dazu geeignetereFaktoren werden. Ein deutscher Mönch, Anskar, wurde der Apostel des Nordens, indemer, der Lehrer und Prediger des Klosters Corveh, im Auftrage Ludwigs des Frommen mit demauf dessen Veranlassung bekehrten Dänenkönig Harald nach Dänemark und von dort nachSchweden pilgerte, wo er mit der innigsten Hingebung und unter den größten Mühselig-keiten seinem schweren Berufe lange Jahre lebte. Nach seiner Rückkehr (831) wurde er dererste Erzbischof von Hamburg, welches damit den Charakter einer christlichen Metrvpolis desNordens erhielt, und ist auch dort 805 gestorben. Sein Nachfolger und Biograph Rimbertsetzte sein Werk getreulich fort; er starb 888 in Bremen, das als Vorort an die Stelle desvon den Normannen 845 verwüsteten Hamburg getreten war. Für die damalige mönchischeAuffassung des Heidentums ist folgender in, Anskars Leben erzählter Vorfall bezeichnend. AufAntrieb des Teufels, der die Ankunft des heiligen Mannes (AnSkars in Schweden) genau