Erläuterung der Reliefdarstellungen sus denr Leben des heil. Adalbertam Portal des Doms zu Glissen.
Diese Lrzreliefs sind ein deutsches Werk der zweiten Hälfte des ^2. Jahrhunderts und von hohem Interesse als Dar-stellungen kirchlichen Lebens im frühen Mittelalter und als bildliche Lebensgeschichte eines der hervorragendsten mittelalterlichenHeiligen und einflußreichen Zeitgenossen Kaiser Otto III., wie auch als Kostüm- und Sitten-Bilder jener Zeit.
Der Künstler hat auf beiden Flügeln ^6 Reliefs in gleich abgeteilten Feldern ausgeführt. Auf dem linken Flügel be-finden sich neun Bilder, welche von unten ausgehend das Leben des heil. Mannes von seiner Geburt bis zu seinem Aufent-halte im römischen Kloster darstellen. Auf dem rechten Flügel ebenfalls neun Bilder, welche die apostolische Thätigkeit desheil. Adalbert in Preußen schildern.
Der unbekannte Künstler, welcher die Lebenschronik des heil. Adalbert (s. S. ^63) in Erz darstellte, hat unzweifelhaftgenaue Lebensbeschreibungen des Heiligen in Händen gehabt; auf Grund derselben Chronik soll hier die Bedeutung der ein-zelnen Bilder erklärt werden.
I. Das erste Bild links unten hat zwei Abteilungen. Unter dem Bogen auf der linken Seite dieses Bildes sitzt aufeinem Bette eine matronenhafte Frau, welche von einer Magd bedient wird, und zweifelsohne die Mutter des heil.Adalbertnach dessen Geburt darstellt. Die zweite Hälfte veranschaulicht, ebenfalls unter einer Arkade, die Taufe des Kindes.
II. Das zweite Bild ist ganz entsprechend der zeitgenössischen Chronik des Jan Kanapan ausgeführt. Am Altar derJungfrau Maria und vor dem Priester weihen die Eltern des heil. Adalbert, im Beisein der Amme oder des Wartemädchensdes Kindes, ihren kranken Sohn Gott.
IN. Dieses Bild stellt den Augenblick dar, in welchem die Eltern den heil. Adalbert zur Schule geleiten. Unter derlinken Arkade sieht man die Mutter, den Vater und den Sohn in reichgeschmückten Kleidern, unter der rechten hingegen denVorsteher der Schule, namens Astryk. Dieser, mit einer Toga bekleidet, reicht dem Knaben die Hand. Ein an der Mauer
er nachts barfuß mit entblößtem Haupte und in leichter Kleidung andachtsvoll die Kirchen besucht.
V. Hierauf wird der Augenblick dargestellt, wie Kaiser Otto II. mit dem Zepter in der Hand und der Krone auf demHaupte auf dem Throne sitzend, dem heil. Adalbert den Bischofsstab einhändigt, d. h. wie er ihm die Investitur auf dasBistum Prag erteilt. Hinter dem Throne des Kaisers steht mit gezogenen» Degen ein Schwertträger. Die Personen links seit-wärts sollen das Gefolge des Kaisers und Geistliche darstellen.
VI. Der heil. Adalbert treibt Kraft des über einen vom Teufel Besessenen gemachten Zeichens des heil. Kreuzes den
drei Bürger. Nach den Aussagen der Biographen soll das Ereignis an demselben Tage stattgefunden haben, an welchem demheil. Adalbert die Kathedrale zu Prag übergeben wurde. Der heil. Apostel wird hier im Vischofsschmuck mit dem Hirtenstabin der Hand dargestellt.
VII. Das siebente Relief zeigt, wie dem vor seiner Kathedrale schlafenden Bischöfe sich Christus der Herr offenbartund ihm befiehlt, von seinem Lager aufzustehen, mit den Worten: „Ich bin der schon einmal verkaufte Jesus Christus. Jetztwieder verkauft man mich den Juden sd. h. in den Personen armer Christen) und du schläfst noch?" Das Bild ist streng nachder Chronik des Kanapan komponiert.
VIII. Hier ist die Ausführung des im vorigen Bilde erteilten Befehls dargestellt. Unvermögend, die armen Christenaus der Sklaverei allein befreien zu können, führt der Heilige, pontifikalmäßig bekleidet, vier derselben vor den Thron desböhmischen Fürsten Boleslaw II. und bittet diesen Monarchen, daß er ihm helfe jene Unglücklichen freizukaufen. Hinter demfürstlichen Throne steht ein Leibwächter mit gezogenem Degen.