IX. Der Bischof, entmutigt durch das sündige Leben seiner Diözesen,en und deren widerstreben gegen seine Lehren, hattedie Bischofswürde niedergelegt, und war darauf samt seinem Bruder Radim nach Rom gereist, dort in das Benediktinerklosterdes heil. Alexius eingetreten, und übte sich daselbst in der Demut. Einstmals bediente er hier die Brüder im Speisesaal undtrug wein auf. Dabei bemerkte er einen auf dem Fußboden liegenden Gegenstand nicht, stolperte und fiel mit dem Gerät aufden Marmorfußboden, ohne auch nur etwas zerschlagen oder vergossen zu haben. So konnte er alles unversehrt den verwun-derten Mönchen darreichen. Zwei hinter dem heil. Adalbert stehende Mönche neigen sich, um den Gegenstand zu besehen, überwelchen er gefallen. Diese Begebenheit, wörtlich aus Kanapan entlehnt, gab dem Künstler den Anlaß zum neunten Bilde,
Die zunächstfolgenden Lebensereignlfse des heil. Adalbert, wie z. B. die Rückreise nach Prag, die wiederholte Reifenach Rom, das Zusammentreffen mit Kaiser Dtto und das Erscheinen in Gnesen am Hofe Boleslaws sind auf der FlügelthürÜbergängen worden, weil der Künstler dem wichtigeren apostolischen Werke des keil. Märtyrers im heidnischen Preußen seinAugenmerk widmen wollte.
Auf dem zweiten Flügel folgen die Bilder von oben nach unten aufeinander.
X. Das erste Bild auf diesem Flügel stellt den heil. Adalbert dar, wie er in einem Kahne mit drei Gefährten undFährleuten am Ufer des Baltischen Meeres in dem Lande der Preußen bezw. der Kaschuben ankommt. Mit Speeren undSchilden bewaffnete heidnische Preußen stehen an, Kahne, von welchem aus der heil, Adalbert ihnen den Segen erteilt.
XI. Hierauf sehen wir eine Taufe durch Untertauchen dargestellt, welche der heil. Adalbert an einen, erwachsenenManne vollzieht. Bei», Bischof sind drei Begleiter, beim Getauften eine Anzahl von Personen, die anscheinend auch auf dieErteilung der heil. Taufe warten. Dieses Ereignis ist bei Kanaxan nur mit kurzen Worten beschrieben; aller Wahrscheinlich-keit nach hat es in Danzig stattgefunden.
XII. Dieses Bild zeigt den heil. Adalbert als Prediger der ungläubigen Preußen, welche mit deutlichen Zeichen derAbneigung seine Worte anhören. Drei seiner Gefährten stehen hinter ihm.
XIII. Der Bruder des heil. Adalbert, namens Gaudentius oder Radim, liest auf offenen! Felde die heil. Messe, welcheder heil. Apostel und zwei seiner Gefährten, auf der anderen Seite aber die bewaffneten Preußen anhören.
XIV. In diesem Relief ist der Tod und das Martyrium des heil. Adalbert dargestellt; der Anführer der Preußen,namens Sikko, durchbohrt mit einem Speer den heil. Apostel, während ein heidnischer Priester dem Heiligen mit einer Axt dentätlichen Streich versetzt.
XV. Hier wird dargestellt, wie man den Kopf des heil. Adalbert auf einen Pfahl geschlagen. Der umwickelte Leichnambefindet sich auf einem Brette welches zwischen den Pfahl und einen Baum gebunden ist, behütet von einem auf einem Bäumchensitzenden Adler.
XVI. Hierauf führt uns der Künstler den Loskauf des Leichnams des heil. Märtyrers von den ungläubigen heidnischenPreußen vor. Den abgewägten Kopf nimmt ein junger pole mit Ehrfurcht von der wag-, welche ein Preuße hält, hinweg.Hinter ihm stehen seine mit Schilden bewehrten Landsleute, nicht wenig verwundert und darüber unwillig, daß so wenig Goldauf der wage geblieben; daneben steht ein großes Gefäß noch völlig mit Edelmetall angefüllt. Das Gefolge des Königsspricht untereinander; aller Wahrscheinlichkeit nach über die wunderbare leichte Aufwiegung des Leichnams. Der König <obBoleslaw Lhrobry?) steht in der Mitte, eine Königskrone auf den, Haupte, welche derjenigen Dtto II. im fünften Reliefähnlich ist. Den Saum des langen Mantels hat der König über die linke Schulter geworfen. Derselbe ist am Halse reich mitGold beseht und mit einer ovalen Spange geschlossen, ebenso wie !m fünften Bilde beim Kaiser Dtto. Neben dem Königesteht ein Schwertträger mit gezogenen, Degen. Der König hält ein ziemlich großes Stück Gold in der Hand, welches er aufdie wage hinzuwerfen bereit gewesen. Mit der linken Hand scheint er seine Worte bestätigen zn wollen, die er zu demAnführer der Preußen gesagt, der seine rechte Hand (über dem Kopfe des die wage haltenden) zum Zeichen der Verwun-derung ausstreckt.
XVII. Die feierliche Überführung des Leichnams des heil. Adalbert nach Trzcmesmo (Treu,essen), vor dem Leichnamwelche» zwei Geistliche in einem nach Art einer Arche verfertigten und bedeckten Sarge tragen, schreitet der ein Buch und einenWeihwedel haltende Bischof Unger in Assistenz eines Priesters. Hinter dem Sarge folgt der König, feierlich gekleidet, mit seinerweinenden Gattin Judyta. vor dem Leichnam fallen zwei Kinder auf die Knie.
XVIII. Das letzte Bild veranschaulicht das Begräbnis der Überreste des heil. Adalbert in der Kathedrale zu Gnesen.Zwei Priester legen den heil. Leichnam in den Sarg. von zwei anderen hält einer das Rauchgefäß, der andere das Gefäßmit Weihwasser. An der Kopfseite des Leichnams steht der Bischof in pontifikaler Kleidung und der König Boleslaw mit demZepter in der Hand, In der Mitte vor dem Sarge ein Mönch, wahrscheinlich der Bruder des heil. Adalbert, Radim. (Nachpolkowski.)