Band 
Erster Band.
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Dritter Abschnitt.

Reichsverfassung, Reichsregierung und Rechtspflege.

)as Deutsche Reich — der deutsche Teil des erueuerteu „römischen Reiches" — war zur

Zeit seiner höchsten Blüte gleichwohl nur ein sehr lockeres Gefüge. Dasselbe zerfielnicht mehr. wie unter den Karolingern, in eine Anzahl nach einem einheitlichen Plane gebildeterProvinzen, sondern in eine stets wachsende Menge von Lehnsherrschaften. Die Grenzbezirkegegen diejenigen Länder, die nicht zum fränkischen Reiche gehört hatten, also die im Ostenund Norden des Reiches belegenen, bildeten unter der Benennung von Marken kriegerischbesetzte Gebiete unter thatsächlich vom Reiche unabhängigen Markgrafen oder Markherzogen.Aus den Marken im Südosten gegen die Magyaren haben sich mit der Zeit die österreichischenLande, aus denen gegen die Slawen im Nordosten das heutige Sachsen und die Ostprovinzendes preußischen Staates, aus denen im Norden gegen die Dänen die Herzogtümer Holstein undSchleswig entwickelt. Nach diesen Richtungen breitete sich das Deutsche Reich, zu welchem seit929 Böhmen und seit 1028 auch Mähren gehörte, langsam, aber unaufhaltsam weiter aus,und zwar in Verbindung mit dem Christentum und der christlich-germanischen Kultur. Dieserglorreichen und heilsamen Verbindung war es vorbehalten und ist es durch zähe Ausdauerauch gelungen, dem Deutschen Reiche den südlich von der Ostgrenze gelegenen Teil des alt-germanischen Gebietes wieder zu erobern. Es wurde damals nicht nur in diese Länder, dieheute endlich wieder ganz oder doch fast ganz deutsch sind, sondern auch unter die stamm-verwandten Völker der skandinavischen Halbinseln und Inseln, wie auch in jene Gegenden,welche slawisch oder finnisch blieben, durch Männer unsres Stammes die alles Menschen-leben veredelnde Kultur und Bildung getragen. „Dem deutschen Krieger", sagt Giesebrecht,„folgte in die östlichen und nördlichen Zonen Europas der deutsche Priester, dem deutschenPriester der deutsche Kaufmann". „Wälder wurden gelichtet, Sümpfe ausgetrocknet, Städteerbaut, Siege gewonnen über die gefährlichsten Feinde". — „In den Marken herrschten fortandeutsche Herren und deutsche Priester, deutsche Ansiedler kamen in das Land, und der Bodenwurde unter deutsche Kriegskncchte verteilt". Jenseit der Marken aber blieben die Fürsten„im unbestrittenen Besitz ihrer Regierungsrechte, die in diesen noch unentwickelten Staaten durchderen Verbindung mit dem Kaiser viel mehr gestärkt als geschwächt wurden".

Im Innern und an der Westseite des Reiches schalteten und walteten die Herzoge,in denen sich die Eifersucht und Eigensucht der verschiedenen Stämme und deren Abneigunggegen die Vereinigung in ein großes Ganzes verkörpert hatten. Es kam den Königen derGlanzzeit des Reiches zu statten, daß sie zugleich, je nach ihrer Herkunft, Herzoge von Franken,Sachsen, Baiern oder Schwaben waren; sie konnten sich so auf ihr eigenes Herzogtum stützen,falls sich die übrigen Herzoge und ihre Völker widerspenstig zeigten. War der König stark,wie Otto der Große, so bändigte er sie; war er schwächer, wie seine nächsten Nachfolger, soließen sie ihn freilich nicht zu Atem kommen. Es war daher natürlich, daß die Könige, wo und