Erläuterung des Mimatnres aus
dem Evsngeliarilim aus Kloster Echternaih; lo. Jahrhundert.
Gotha, herzogliches Museum.sZu vergleichen ^eite ^52, ^6^ und 2^5>.)
Die Miniaturen dieser Handschrift sind bedeutsam siir den Stand deutscher Kunstübung im zehnten Jahrhundert undden knltur- und rechtsgeschichtlichen Inhalt, welcher in den bildlichen Darstellungen der biblischen Stoffe sich findet.
Die Handschrift ist in lateinischer Sprache abgefaßt und den Figurengruxpcn der Miniaturen sind lateinische Bezeich-nungen beigesetzt.
I» dem nachgebildeten Blatte ist das Gleichnis von den Arbeitern im wetnb'lge, Evangelium0ers s — 8, behandelt.
Marci, Lapitel s2.
^er er>,e oer ore. or„. ves ersten Verses: der Herr spater ramilias, hat -inen Weinberg
(rinea) gepflanzt und mit einen, Zaun ssopos) un,geben; er hat eine Kelter storoularel darin angelegt und ein^Tur», stnrris,inmitten des Weinbergs erbaut. Der Zaun ist von der im Mittelalter gebräuchlichen Art, die noch bis ins sS Ialrhunde thinein gewöhnlich ist; der Turm ha' den Charakter eines festen Hauses des sO. Jahrhunderts. Rechts von ihn, V°llzi°h7stchgenau nach deu.schrech.lichen Formen, die Uebergabe des Weinberges an die Weinbauern sUAriooluo). vor denselben steht derHerr des Weinberges; er zeigt mit der linken Hand auf sein Eigentum und hält in der Rechten den langen Stab das " 'chseiner würd-, dem vordersten der drei Weinbauern entgegen, der seinerseits ebenfalls mit der rechten Hand den Stab^IrfaMund durch die ausdrucksvolle Bewegung mit der linken Hand von dem Weinberge Besitz ergreift, wodurch die Linsekunsein Amt vollzogen ist.
Der Herr nun „zog über Land". Als er zurückkommt, sind die im ersten Bilde noch zarte» Weinreben kräftig heran-gewachsen und im Mittelbild- find die einzelnen reich mit Trauben behängten Weinstöcke an einer Stange, der Andeutungeines Spaliers, aufgebunden. Der Herr will nun Früchte von seinen weingärtnern einfordern. Nach Vers 2—5 der biblischenErzählung sandte er vier Mal zu ihnen, erst nur einen, zuletzt mehrere Knechte. Der Miniator faßt dies- viermalige Sotschas»in eine Gruppe zusammen, vier Unfreie ssorri) stehen vor deut Herrn und empfangen den Befehl für die Weingärtner.Aber diese verhalten sich nicht gutwillig; das Bild zeigt, daß sie in dem festen Turme streitbare Männer geworden sind dieden Weinberg als ihr Eigen betrachten und behalten wollen; sie sind bewaffnet wie die im sO. Jahrhundert latronos genanntenLeute: mit dem keulenartigen Knüttel, langem Knebelsxieß, den, ovalen, „nten spitzen, langen Lindenschilde und mit Steinen.Es sind die uralte» germanischen Waffen, mit denen sie die Boten ihres Herrn vertreiben und töten. Die Keule oder derKnüttel war bis in's y. Jahrhundert ordentliche germanische Kriegswaffe, die als solche erst durch Karls des Großen Laxitularvon, Jahre 8sö beseitigt wurde; sie erhielt sich bei den latronos. Der eigentliche Kri-g-rstand des zehnten Jahrhunderts warmit dem ftamea genannten Spieß, dem Schwert und dem runden Schild (vgl, Seite s8Zi ausgerüstet.
Der pator samilius schickt nun seinen einzigen Sohn an die Weinbauern, wie das Miniatur- in der ersten Gruppe desunteren Bildes darstellt; sein Ende vor dem Weinberge zeigt die letzte Gruppe sKilius oociclltur), die Weingärtner töte» auch ihn.was die Tracht anbetrifft, so bezieht sich das über dieselbe in der Beilage zu Seite s8s Gesagte auch auf dieses Blatt.
(Nach A. Lamprecht.)