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Zweites Buch. IV. Das Kriegswesen und die Zeit der Kreuzzüge.
Sieghard vvn Bnrghausen durch einen Haufen Ministerialen, die er mittels gerichtlicherUrteile beleidigt hatte, überfallen und enthauptet wurde. Ein Graf Kvnrad twn B eich lin genwurde auf der Straße von niederem Volk ermordet.
Was dem unglücklichen Kaiser nicht gelang, versuchten zu seiner Zeit einzelne Fürsten,denen seine werkthätige Unterstützung dabei zu statten kam. Bischof Heinrich vonLüttich verkündete für seine Diözese den Gottcsfriedcn im Jahre 198l. Zwei Jahredarauf führte Erzbischof Sigiwin ivon Köln denselben ebenfalls ein; er, appellierte dabeian sein ganzes Volk. Nach den Bestimmungen dieses Friedens sollten vom Freitag biszu Sonntag Abend und an allen hohen Festen, sowie in der Advents- und Fastenzeit die Fehdenund jeder Fricdensbruch verboten sein, bei Strafe der Exkommunikation, sonne der Verbannungund verschiedener Körperbußen. Es wurde seitdem besser. Namentlich Friedrich I. war es, dervöllig unnachsichtig gegen Friedcnsbrecher und Räuber vorging (S. 169). Als er aberseinen Krcuzzug antrat, überließ er den Fürsten das Recht des Kampfes und Friedens undknüpfte die Ansagnng der Fehde nur an bestimmte Formen, namentlich an eine Frist von dreiTagen vor Beginn der Feindseligkeiten. Der Grund dieser Maßregel, welche in ihren Folgenfast die Rechtseinheit des Reiches aufhob, war der, daß die Eröffnung der Fehde gegen jeden,der nicht selbst ein Friedensbrecher war, als ein Friedensbrnch betrachtet wurde, und nur indem Falle als erlaubt galt, wenn vor Gericht kein Recht gefunden worden war. In dieser Weisewurde Friedrichs Anordnung auch vvn seinen Nachfolgern verstanden, bis das traurige „Inter-regnum" jede Anfrechthaltnng des Landfriedens illusorisch machte.
Im Gebiete des rechtmäßigen Krieges begründete das zehnte Jahrhundert eine neueEpoche. An die Stelle des Volksheeres der Merowinger und Karolinger trat ein Heer vonBerufssoldaten oder Söldnern, — eine Umwandlung, die freilich von lange her vorbereitet war.Die nicht mehr wandernden, sondern ansässig gewordenen Völker des fränkischen Reiches hattendurch die Beschäftigung mit Ackerbau und Gewerben die Übung in den Waffen und den Sinnfür Manneszucht verloren, und schon Karl der Große hatte sS. 190) seine Anforderungenan die Wehrkraft seiner Unterthanen herabsetzen müssen. Diese Verhältnisse wurden unter seinenNachfolgern: für die Kriegstüchtigkeit des Reiches noch ungünstiger; die Zahl der zur Waffen-führung tauglichen Männer wurde beständig geringer und bildete eine bunte Menge nicht zu-sammenpassender, einem kräftigen Feinde nicht gewachsener Elemente. So gelangte man, gezwungen:durch die wilden Einfülle der Magyaren, zu den: Gedanken eines auf den: Lehnswesen
beruhenden Heeres, zu welchen die Vassallen des Reiches, gleichviel vb weltliche oder geistliche,
meist in persönlicher Führung ihre Lehnsleute und Leibeigenen zusammenbrachten. Heinrich I.hatte durch Einübung der königlichen Dienstmannen, die er größtenteils beritten machte,hierzu den Grund gelegt. In: herrlichen Siege bei Riade 999 über das Raubgesindel der
Magyaren, — eine That, welche den Aufschwung der deutschen Kraft in: Mittelalter einleitete, —
bewährten sie sich glänzend. Mit gleichem Glücke schlug Heinrich Slawen und Dünen. Aberauch Räuber und andere Verbrecher, wenn sie kampfestnchtig waren, verschmähte er als Kriegernicht; er bildete aus solchen in Mersebnrg, wo ein Asyl für sie eröffnet war und sie inder Vorstadt angesiedelt wurden, eine Schar, welche gegen die Wenden nach Belieben auf Raubausziehen konnte. Später stellte ihn, diese Truppe gegen Böhmen tausend Mann, aber dieseKämpfer waren doch verachtet und wurden keineswegs ehrlichen Kriegern (milüss) gleich ge-halten. Die Volkshecre bestanden indessen neben diesen Söldnern immer noch fort, und dergesamte Heerbann des Reiches zerfiel in jene Abteilungen, welche die einzelnen Herzogtümerstellten. Je nach der von: Kriege betroffenen Gegend sandten die Nächstliegenden Länder dengrößten Teil des Heeres; so auf dem Lechfelde die Baiern i^/z) und die Schwaben (^/Z, gegendie Wenden stets die Sachsen, gegen Frankreich die Franken und die Lothringer, letztere soweitsie es nicht selbst mit dem Feinde hielten. Nur selten waren alle Landesteile in: Heere vertreten.Dasselbe zerfiel in Legionen zu etwa tausend Mann; zweinnddreißig Legionen zogen 916 gegenFrankreich, um den König Ludwig aus der Gewalt Hugos des Großen zu befreien. Die Sol-daten unterschied man in Schwer- und Leichtbewaffnete; jene, der Kern des Heeres, dienten sämtlichzu Pferde, diese, häufig in Strohhüten anstatt der Helme, teils zu Roß teils zu Fuß. Aber schon