Band 
Erster Band.
Seite
190
JPEG-Download
 

Zweites Buch. lV. Das Kriegswesen und die Zeit der Kreuzzüge.

190

Volksheere. Das Lehirslvesen aber regelte nun alles, wie im Frieden so auch im Kriege; dieAusdrücke „Vaffall" und „Soldat" erhielten denselben Sinn. Geübte Krieger traten gegenVerleihung eines Benefiziums in die Dienste der Lehnsherren; wenn sie sich tüchtig erwiesen,stiegen sie wohl zu Bcfehlshnberstellen auf und prunkten in Purpnrgewändern und vergoldetenHelmen. Die Könige gingen den Vassallen mit ihrem Beispiele voran und bildeten sich selbstin Kriegsgewandtheit eifrigst aus. Seitdem gewohnte man sich daran, die Monarchen stets imWaffenkleidc zu sehen, was sich bis auf unsre Zeit erhalten hat.

Die Nachrichten über die Stärke der kaiserlichen Heere des zehnten und elften Jahr-hunderts sind wenig zuverlässig. Heinrich II. svll an 60090 Mann nach Italien geführthaben; wahrscheinlich zog er den größten Teil erst dort an sich und hatte nur etwa 20 000 Deutscheunter seinem Befehl. Den Kern des Heeres bildeten die eigenen Vassallen des Königs. Danachkamen diejenigen der Herzoge, Grafen, Bischöfe und Äbte. Jeder dieser Würdenträger hatteeine bestimmte Anzahl Streiter zn stellen, je nach seinem Reichtum; er führte sie in der

Regel selbst. Die geistlichen Großen

wurden häufiger aufgeboten undstellten mehr Mannschaft als dieweltlichen, einesteils weil sie be-güterter waren, — andernteils,weil sich der König, der mit denweltlichen Fürsten meist im Streitelag, auf jene besser verlassen konnte.

Ein adeliger Kriegsmann be-durfte vier Pferde, eines für denKampf, das zweite für die Reise,das dritte für seinen Knappen unddas vierte für den Troßknecht.Der Reiter war gepanzert, anfangsmit einem ledernen Kvllcr, welchesspäter Eisenbeschlüge erhielt, nochspäter mit dem Schnppenpanzer.Die Halsberge verband Panzer undHelm. Stets trug der Krieger denSchild, das Schwert, welches amLaufe der Zeit an Größe, unddie Lanze, die an Länge zunahm.Beim Kampf mit diesen langenSchwertern kam es oft vor, daß ein Feind der Lange nach in zwei Teile gespalten wurde.Wurfspieße, sowie Bogen und Pfeile, wurden seltener. Steven den schweren Reitern der erstenLehnsträger kamen auch Fußgänger niederer Vassallen mehr und mehr in Aufnahme. Ohnehinstiegen die Reiter oft ab und kämpften zn Fuß. Fahnen idic Reichsfahne mit dem ErzengelMichael, und Hörner dienten zur Sammlung der Truppen. Zelte und Lagermaterial nahmman als Gepäck aus Karren unter besonderer Bedeckung mit.

Das KriegSrecht war sehr streng, meist grausam. Die härtesten der damaligenStrafen )S. l 83) kamen besonders im Kriege vor. Wie hoch man den Mut des Gegnersimmer noch achtete, zeigen die zahlreichen Fälle, in denen man sich mit dem Eide des Unter-worfenen, selbst des Verräters, fortan Frieden halten zn wollen, begnügte. Solche Eidewurden jedoch, besonders von den Wenden, so oft gebrochen, daß gegen diese schließlich alleRücksicht aufhörte. Ja man nahm ihrer Treulosigkeit gegenüber Zuflucht znr List. Solud einst der sächsische Markgraf Gero dreißig Wendenhäuptlinge, die sich gegen sein Lebenverschworen hatten, zn einem Mahle, trank sie unter den Tisch und ließ sie dann töten. ImJahre 055 wurden nach einer Schlacht siebenhundert gefangene Wenden enthauptet und der Kopfihres Anführers Stvinef im Walde aufgesteckt. Es mochte die Teutschen besonders erbittert haben,

LL

Troßknecht mit Packpferd und Maultier.

Aus der Äbtissin Herrad von Landsperg „Lustgarten"; um 1105—117').