Die Anfänge der Kreuzzüge.
191
das; die Wendn, die gleichzeitige Magyarengefah zu einem neuen Abfalle benutzt hatten.Kaiser Konrad II. ließ (1035), „eine sehr große Menge" Heiden an Augen, Händen undFüßen ebenso verstümmeln, wie sie einem Christusbildc gethan hatten, wofür ihn ein Gedicht alsRächer des christlichen Glaubens pries. Die Verwüstung der in, Feindeslande durchzogenenGegenden war damals und noch lange nachher ein unabänderlicher Kriegsgebrauch.
Eine großartige Umwälzung in den Anschauungen der mittelalterlichen Völker, und damitauch eine solche in der Kriegführung, verursachten die Kreuzzüge, in denen die Deutschenzwar nicht die Hauptrolle spielten, die sie Wohl oder übel den Franzosen überlassen mußten, aberin welchen sie sowohl an ritterlichen Thaten wie an ausgestandenen grauenvollen Leiden underlittenen furchtbaren Verlusten hinter den übrigen Völkern, welche an jenen religiös-politischenUnternehmungen Anteil hatten, keineswegs zurückstanden. Die Deutschen beteiligten sich umso mehr an denselben, als der Landweg die französischen Kreuzfahrer durch den Südenihres Landes führte. Die Krenzzüge aber haben eine doppelte Bedeutung: einerseits als eineEpisode des uralten Kampfes zwischen Europa und Asien um die Herrschaft über das Mittelmeer,eines Kampfes, welcher seit den; Entstehen des Islam auch zn einen; Ringen zwischen diesemund den; Christentume wurde, andererseits als die Äußerung jenes in; elften Jahrhundertunter den Christen des Abendlandes lebendig gewordenen schwärmerisch-religiösen Sinnes,welcher auch zn den Erfolgendes Papsttums gegenüber derweltlichen Macht so unendlichviel beigetragen hat. DieseStimmung führte zunächst zneiner Vermehrung der Wall-fahrten nach den; heiligenLande. Dieselben erhielten jetztdurch die Fortschritte der Seld-schuken in Vorderasien unddurch das Beispiel der Kämpfeder Goten gegen die in Spanienund Sizilien AngedrungenenSarazenen einen kriegerischenCharakter. Der erste Pilgerzngnach Palästina, welcher einensolchen annahm, fällt schonvor die Zeit der Krenzzüge, das heißt der auf Eroberung ausgehenden Unternehmungen dieserArt, und bestand zumeist aus Deutschen, mit Kirchenfürsten an ihrer Spitze. Es waren (1064und 1065) der Erzbischof Siegfried von Mainz, die Bischöfe von Bamberg, Regensburgund Utrecht und die nachmaligen Bischöfe Hermann von Bamberg und Altmann vonPassau, die mit angeblich 12 000 Menschen auszogen, Jerusalem wirklich erreichten, aber aufder Heimkehr größtenteils aufgerieben wurden, so daß nur ein kleiner Rest zurückkam.Gregor VII. beabsichtigte 1074 und 1075 mit Hilfe König Heinrichs IV. einen ersten Kreuz-zug nach dem heiligen Grabe, um dieses zn erobern; allein der ansbrechende Kampf zwischenden beiden Machthabern vereitelte diesen Plan. Bekanntlich ist derselbe erst am Ende deselften Jahrhunderts auf Antrieb Papst Urbans II. (nicht Peters von Amiens, wie die Sagefrüher meinte) in Ausführung gebracht worden. Der Eremit Peter führte jedoch schon in;Jahre 1096 eine der den; ersten Kreuzheere voransziehenden Scharen nach dem Osten. Diesebestanden fast nur aus schlechtem Gcsindel aus Frankreich, Deutschland und anderen Ländern,sowie aus Verbrechern aller Art, welche ihre Unthaten mit der Kreuzfahrt abzubüßen glaubten,und die sich teilweise durch die damals zuerst auftretenden Verfolgungen der Juden, besonder»um Rhein, hervorthaten; in Ungarn, Griechenland und Kleinasien'gingen sie alle jämmerlichzu Grunde. Schwerere Verluste, weil an besseren; Menschenmateriäl, erlitt Deutschland auf demersten siegreichen Krenzzüge 1097 bis 1099, auf welchen; der Herzog von Niederlothringen,
Drei Ritter als Wächter am Grabe Christi.
Malerei i» einem Gebetbuchs aus dem Ansauge des dreizehnten Jahrhunderts.Leipzig, Universitätsbibliothek.