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Erster Band.
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Zweites Buch. IV. Das Kriegswesen und die Zeit der Kreuz; üge.

den Boden gesteckte Speere, Fußangeln oder durch ihm entgegengestellte Sichelwagcn, Die Verlustean Mannschaft waren oft sehr bedeutend. In der Schlacht bei Tnscnlum 1167 verloren dieRömer durch die Deutschen unter Erzbischof Reinald bon Köln 9666 Tote und 15 069 Gefangene.In einer Schlacht in Kleinasien erschlugen die Deutschen unter Kaiser Rotbart l 2 OOtt Türken.Otto IV. hatte bei Bouvines sogar 80000 Tote und Gefangene zu beklagen. Die Pflege derVerwundeten war bei dem damaligen Zustande der Wissenschaft äußerst mangelhaft. Als imJahre 1194 die Ärzte es nicht wagten, dem bei einem Turnier verwundeten Herzog Leopold vonÖsterreich das gebrochene Bein zu amputieren, setzte er ein Beil an dasselbe und ließ vonseinem Kämmerer mit einem Hammer daraufschlagen, so daß das bereits brandige Glied ab-getrennt wurde, — ein Gewaltmittel, an dessen Folgen der Herzog freilich verstarb.

Gegen die Kriegsgefangenen verfuhr man meist grausam; sie wurden ausgeplündert, miß-handelt und eingekerkert. Vornehme Gefangene gab man nur gegen Lösegeld frei. DieAusplünderung der Schätze und der Leichen der Besiegten war ein Vorrecht der Kriegerdes siegreichen Heeres.

Bei Belagerungen von Städten und Burgen suchte man den Belagerten zunächstdas Wasser abzuschneiden und die Zufuhr von Lebensmitteln, oft unter Verübnng arger Grau-samkeiten an den Bewohnern der nächsten Umgebung, zu verhindern. Die Belagerten triebendeshalb nicht selten die „unnötigen Esser" aus ihren Mauern, so daß diese, auch von denBelagerern zurückgewiesen, in die peinlichste Not gerieten. Beide Parteien verhöhnten einandervor den Mauern und von denselben herab. Gestürmt wurde gegen die Befestigungen mit dengewöhnlichen Waffen, dann mit Leitern und Minen, vorzüglich aber mit Antwerken, dasheißt Belagerungsmaschinen, die den altrömischen nachgebildet und den Deutschen schon seit derMitte des zehnten Jahrhunderts bekannt waren. Es gab verschiedene Arten vvn Steinschleuder-maschinen, dieser Artillerie der Zeit vor Erfindung des Pulvers, und sie waren teils mehrfür die Nähe, teils mehr für die Ferne berechnet. Zu jenen gehörte der Tribok (Brabneimn),zu diesen die Blide. Mit der Balliste schoß man Pfeile ab. Außer Steinkngeln von ver-schiedener Größe und oft ungeheurer Schwere warfen jene Maschinen auch Blcimassen inTöpfen, Bienenkörbe, deren Insassen dann über die getroffenen Unglücklichen herfielen, grie-chisches Feuer oder Fässer voll siedenden Öles in den bedrängten Ort, ja sogar Köpfe vondessen Verteidigern selbst, die bei Ausfällen erschlagen oder gefangen worden waren. Kamman den Mauern näher, so begannen ihr Werk die Widder, eisenbeschlagene Balken, welcheunter hölzernen, mit Fellen bekleideten Schutzdächern gegen die Mauer stoßend arbeiteten. Mitihnen traten in Thätigkeit die Ebenhöhen oder Bergfrite, Belagernngstürme, welche die Mauerüberragten, gegen die sie auf Rädern über den mit Faschinen ausgefüllten Graben hingezogenwurden; gelang die Annäherung, so wurde Vvn der Turmhohe eine Fallbrücke auf die Mauerniedergelassen. Andere verderbliche Banwerke dieser Art, die man Katzen, Mäuse, Säue, Maul-würfe u. s. w. nannte, halfen an dem Zerstörnngswerke. Die Belagerten waren darauf bedacht, dieseunwillkommenen Gäste durch Feuer zu vernichten. Wie ihre Feinde die Blauer, so suchten sie dieTürme zu untergraben oder auf andere Weise die Werkzeuge der Belagerer unschädlich zu machen.Unsre beiden Darstellungen veranschaulichen einen solchen Angriff und seine Abwehr.Das hüttenartige Bauwerk im Vordergründe ist eine „Katze"; sie dient als Schutzwchrzunächst bei der Ausfüllung des Grabens und bewegt sich aus den Faschinen und An-häufungen von allerlei Material, welches die Angreifer vorn aus der „Katze" in den Gra-ben hinauswerfen, gegen die anzugreifende Mauer. Die „Katze" steht auf einem Boden vonBohlen, um das Steckenbleiben im weichen vder morastigen Grunde zu verhüten; ihr Dach istmit nassen Fellen behängt, als Schutz gegen Brandpfeile. Am Kopf der „Katze" ist ein schrägnach vorn gerichtetes Schirmdach angebracht, durch welches die innen befindlichen Angreifergeschützt werden; demselben Zwecke dienen die Pallisaden und die auf zwei Rädern beweglichenWände (rechts neben der „Katze"). Bewegt wird diese Angriffsmaschine durch Flaschenzügeund eine Winde, welche ganz vorn durch vier Männer angedreht wird. An der Mauer angelangt,wird dieselbe von der „Katze" aus untergraben werden; oder der Stnrmbock «Widder) wirdunter dieser Schntzwehr gegen die Mauer in Thätigkeit gesetzt.