2>>2 Zweites Buch. V. Wirtschaftsleben, Stände und Sitten.
bewahrten Kunst der Ansiedelung abgelegt. Weder die großen Verluste der Römerzüge, nochdie weit größeren der Palästinafahrten haben sie verhindert, zwischen Elbe und Oder undüber diese Ströme hinaus das spärlich kultivierte Land anzubauen und die Slawen ent-weder durch deutsche Kolonisten zu ersetzen oder (ohne Absicht allerdings) sie zu Deutschenzu machen, so daß diesseits der Oder nur noch die Sorben der Lausitz (fälschlichWenden genannt) slawisch sprechen, während sie längst deutsch fühlen. Graf Adolfvon Holstein ließ im Jahre 1170 in das frisch eroberte Wagrien Ansiedler aus Holland,Friesland und Westfalen kommen, gab die ersten Wohnsitze aber seinen Hvlsatcn. Es währtenicht lange, so waren die vorher öden Gegenden, welche jetzt Holstein, Mecklenburg, die Alt-mark und Brandenburg bilden, mit Städten und Dörfern besetzt. Unternehmer kauften vomMarkgrafen Grund und Boden zur Anlegung eines Dorfes und verteilten ihn dann unterdie Ansiedler, während sie eine Anzahl Hufen gegen eine Lehensabgabc für sich selbst und einkleineres Stück für die Kirche vorbehielten. War das Dorf vollendet, so erhielt der Unternehmer daserbliche Amt eines Schulzen; er hatte als solcher die niedere Gerichtsbarkeit und das Steuer-
Äirche,zu Lnbm» in Schlesien.
Alls der Zeit NIN das Jahr tgno flammend. A„s Eichcnstämme» im Blockverbande gezimmert. (Nach .Sciming.)
Wesen zu verwalten. Dafür wurde ihm ein Anteil an den Strafgeldern sowie das Recht desSchasanftriebs und das der Errichtung eines Krugs und einer Mühle bewilligt. Jeder Ansiedlerbekam in der Regel zwei oder drei Hufen, wofür er gewisse Abgaben und Dienste zu leistenhatte. Im dreizehnten Jahrhundert nahm die Besiedelnng der slawischen Länder einen neuenAnlauf nach dem Odergebietc hin. Die Ansiedler kamen diesmal meist aus den zuletzt besiedeltenGegenden, deren Bevölkerung sich also stark vermehrt haben mußte. Die slawischen Einwohner,welche die Kriege überlebt hatten, ließ man anfangs ruhig sitzen wie bisher; nur wurden siemit Ausnahme ihres Adels unfrei und mußten dem Fürsten und dem Bischof Abgaben undZehnten entrichten. Diesem Drucke zu entgehen, wanderten viele weiter nach Osten, oder siewurden vertrieben, — dies letztere namentlich dann, wenn sie sich nicht bekehren ließen oderdie Zehnten nicht gaben. Sie erhielten gewöhnlich nur die unfruchtbareren Gegenden; ihrLand wurde sonst überall durch Deutsche besetzt. Gegen die Mitte des dreizehnten Jahrhundertswaren Mecklenburg und Brandenburg so gut wie völlig germanisiert. Slawische Namen aberlauf - in, - itz, —vw) und slawische Bauart (kenntlich an enger Zusammenscharnng derHäuser eines Dorfes statt der germanischen Zerstreuung) sind noch vielfach unter deutschsprechender Bevölkerung erhalten geblieben, wo die Ansiedler Slawenreste bestehen ließen.