Das Münzwssen.
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größeren Zahlungen wog, nicht zählte. Seit dieser Zeit nahmen die früher nur dem Königezustehenden Münzgcrcchtsame in der Hand der Großen zu; sie überwogen die königlichen immermehr. Den Herzogen, Bischöfen und Äbten folgten in diesem Rechte durch königliche Gunst seitdem Ende des zehnten Jahrhunderts auch die Grafen. Die Münzstätten fielen meist mit denMarktplätzen an den Land- und Wasserstraßen zusammen; Markt- und Münzrecht wurdeHerren oder Städten oft gleichzeitig bewilligt.
Die alte deutsche Münze, das Pfund (S. 79 und 199), geteilt in zwanzig Schillinge (soliäi)zu zwölf Pfennigen (äenarii), in Baiern aber in acht Schillinge zu dreißig Pfennigen, war,solange die Pfennige aus reinem Silber geschlagen wurden, auch in der That einem PfundeSilber gleich, also nach heutigem Gelde etwa achtzig Mark, ein damaliger Pfennig (Denar)also 33 unserer heutigen Pfennige wert. Je häufiger aber das Münzrecht an geistlichewie weltliche Herren und an Städte verliehen wurde, desto mehr ver-schlechterten sich die Pfennige, und so ging auch das Münzpfnnd tiefim Werte herab. In Köln, der damals bedeutendsten deutschen Stadt,hieß seit 1024 die Hälfte des Pfundes „Mark"; sie war in 12 Schil-linge zu 12 Pfennigen geteilt. Allein zu Ende des zwölften Jahrhundertswar das Münzpfnnd (240 Denare) bereits auf den Wert einer köl-nischen Mark (144 Denare) gesunken. Man nimmt an, daß für einedamalige Mark (48 Mark heutigen Geldes) über drcihnndertmalso viel zn kaufen war als für eine jetzige Reichsmark. ImMittelalter, besonders im zwölften Jahrhundert, wurden dann dieBrakteaten, einseitig geprägte Gold- und Silberblcchstücke, beliebt.
Sie hatten verschiedene Großen bis zu der eines Thalers. Es gabauch Halbbrakteaten, das heißt doppelseitig geprägte Bleche, denen esjedoch an Deutlichkeit fehlte, so daß man den Versuch machte, dasBild erhaben und die Schrift vertieft zn -prägen, was aber baldwieder aufgegeben wurde. Im vierzehnten Jahrhundert wichen dieBrakteaten indes nach und nach den schon früher üblichen, doppelseitiggeprägten Münzen, die man wegen ihrer Dicke „Groschen" (xrosm. französisch xros) oder auch„Dicke" nannte. Die auf den Münzen geprägten Bildnisse der Kaiser, Könige und Landes-herren machten lange Zeit keinen Anspruch auf Ähnlichkeit und sind bei derselben Persön-lichkeit oft sehr verschiedene. Auch die Inschriften sind meist sehr nachlässig und oft fehler- undmangelhaft angebracht.
Von falschen Münzen wimmelte es in jener Zeit. Münzpächter mißbrauchten ihr Amtsehr häufig, und auch Privatpersonen verfertigten falsches Geld. Nach sächsischem Rechteverfielen Falschmünzer der Todesstrafe; sie wurden in einer eisernen Kufe in Öl gesiedet.Wer falsches Geld ausgab, verlor die Hand und bei großen Beträgen das Leben, und alletraf überdies noch der Kirchenbann. Aber selbst Könige, Fürsten und Städte beteiligten sichan der Falschmünzerei, indem sie ihr Geld bis zur völligen Wertlosigkeit immer schlechtermünzten, oder sich gar eines fremden Stempels bedienten.
Die Nachrichten über die Preise der Dinge sind vielfach unklar. Das Pfund Fleischoder Käse kostete fast dreimal so viel als das Pfund Brot. In Nordhausen kostete 1220 dieMandel Eier 2 Denare oder Pfennige, ein Huhn ebensoviel, eine Mandel Heringe nur 1 Pfennig.In Baiern galt um 1130 ein Ochse 40 Denare; und so ließen sich noch viele Preise anführen,jedoch nur mit Münznamen, deren Wert und Verhältnis zu den heutigen Preisen indessenvöllig unsicher ist. Die österreichischen Herzoge suchten in ihren Landen die Einheit von Maßund Gewicht zwar einzuführen, allein ohne Erfolg.
Mit dem Markt- und Münzrechtc wurde auch das Zollrecht immer häufiger an dieFürsten verliehen, eigenmächtige Erhöhungen des Zolles jedoch verbot ihnen der Mainzer Land-friede vom Jahre 1235. Es blieb dabei, daß Zollverleihungen nur durch das Recch statt-finden durften. Daß indes die verschiedenen Zollbcrechtigten sich gegenseitig möglichst vielVerdruß bereiteten, ist wohl selbstverständlich.
Die älteste Münzemit deutscher Aufschrist..
Brakteat von Albrechts desBären Sohn Otto I. Mark-graf von Brandenburg (1170bis 1184). Silber. Umschrift:
Im
Felde der gewappnete Mark-graf mit Fahne und Schild.Originalgröße. Berlin, kgl.Münz - Kabinett.