sechster Abschnitt.
Die Kirche und die lateinische Litteratur.
ss^as große Ansehen, welches anf kirchlichem Gebiete im zehnten Jahrhundert die Klöster
genossen hatten, ging im elften, nicht ohne die Begünstigung der Kaiser, auf die Bischöfeüber. Im Hinblick anf sie betrachten wir nunmehr die Verhältnisse der Geistlichkeit und derKirche mit Ausnahme der Klöster während der Glanzzeit des deutschen Kaisertums, dessenbisher geschilderte weltliche Kreise schon wiederholte Hinweise auf die damalige hohe Stellungder Bischöfe dargeboten haben. Die Erzbistümer und bedeutenderen Bistümer wurden meistan Glieder des hohen Adels vergeben. Es galt als eine der ersten Pflichten des Bischofs,das Gut seiner Kirche möglichst zu vergrößern; geschah dies, so wurde es in seiner Geschichterühmend erwähnt. Häufig besaßen die Bistümer über tausend Hufen. Erzbischof Friedrichvon Salzburg „verlieh Güter seiner Kirche au Verwandte unter der Bedingung, daß nachAnssterben der Familie das ganze Besitztum derselben an seine Kirche fallen sollte." Freilichpreßten auch die weltlichen Großen den Bistümern oft sehr beträchtliche Besitzungen ab.
Neue Bistümer entstanden mit dem Fortschreiten des Christentums gegen Osten hin.Otto l. gründete das Erzbistum Magdeburg mit seinen fünf Diözesen: Havclberg, Branden-burg, Merseburg, Zeitz und Meißen, wozu später noch Posen kam. Unter Heinrich II. wardie Gründung des Bistums Bamberg ein sehr bedeutungsvolles Ereignis. Wie Magdeburg inNord-, so sollte Bamberg in Mitteldeutschland ein Vorposten des Glaubens und der Kulturden Slawen gegenüber werden, deren noch viele in Obcrfrauken hausten. Der Kaiser hatteden Ort seiner Gattin Kunignude geschenkt, und da ihr Kinder versagt blieben, setzte er Gott zuihrem Erben ein. Lange wehrte sich Bischof Heinrich von Würzbnrg gegen die neue Schöpfung,durch die er sich benachteiligt glaubte; der Kaiser warf sich vor der Reichssynvde zu Frank-furt wiederholt auf die Knie, um ihre Einwilligung zu gewinnen, bis er sie endlich erlangte, woraufer dem neuen Bistum im Jahre 1007 an einem Tage 27 Schenkungen zuwandte. So hattedas Deutsche Reich zu Anfang des zwecken Jahrtausends bereits sechs Erzbistümer: Mainzmit dreizehn, Köln mit fünf, Trier mit drei, Salzburg mit vier, Bremen mit vier, Magdeburgmit sechs Bistümern, deren im ganzen also 35 waren. Später wurde auch Prag ein Erz-bistum, dessen Kirchenprovinz aber nie zum eigentlichen Reiche gerechnet wurde und viel mehrdeutschfeindlich als deutschfreundlich war. Übrigens war die Unterordnung der Bischöfe unterdie Erzbischöfe nur eine nominelle. Erstere übten gegenüber der niedern Geistlichkeit einesouveräne Macht aus, die sie sich von Seite ihrer Metropolen selbst nicht hätten gefallen lassen.Sie hielten einen zahlreichen Hof, sowohl von Dienstmannen wie von Geistlichen, unter welchenes Diakonen, Vorleser, Tenfetaustreiber, Kerzenträger, Thürhüter gab. Auch eine große Mengevon Zinsleuten, Hörigen und Knechten war ihnen eigen.
In der hier behandelten Periode von: zehnten bis dreizehnten Jahrhundert spieltenmehrere deutsche Bischöfe eine sehr bedeutende Rolle und übten großen Einfluß auf die Kaiser— zum Teil auch gegen sie, — aus. Ottos des Großen Bruder Bruno, Erzbischof von Köln,